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Revolverheld in Uniform

Alexander Ludewig über das fragwürdige Aufenthaltsverbot für Frankfurter Fans in Darmstadt

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.
Dass Kollektivstrafen als Reaktion auf Straftaten Einzelner kontraproduktiv sind und schon gar nicht deeskalierend wirken, das wusste der DFB auch schon mal besser. Aber das ist noch eine ganz andere Geschichte.

Wyatt Earp vom Woog - das ist in Darmstadt ein durchaus geläufiger Spitzname von Bernd Denninger. Was der nordamerikanische Revolverheld und der Einsatzleiter des Polizeipräsidiums Südhessen gemeinsam haben? Beide stehen - Earp vor mehr als hundert Jahren als Marshal - für die exekutive Gewalt. Beide sind - Earp wegen unzähliger Gesetzesbrüche noch weniger - keine Bestbesetzungen in dieser Rolle.

Woran erkennt man Fans von Eintracht Frankfurt? Denninger weiß so was: »Am Äußeren und am Verhalten.« Interessant wäre, wie er diese mindestens diskriminierend zu nennende Einstufung seinen untergebenen Hundertschaften im Detail erläutert. Denn die müssen schließlich dafür sorgen, dass von Freitag 19 Uhr bis Sonntag 7 Uhr niemand dieser scheinbar eigenartigen Spezies Darmstadt betritt.

Warum? »Wir wollen dafür sorgen, dass es keine Angsträume gibt«, erläuterte Oberbürgermeister Rafael Reißer. Schlaflose Nächte dürften aber jetzt schon einige haben. Wie früher Wyatt Earp furchteinflößend war, so versetzen Denninger und Co. jetzt hysterisch eine ganze Stadt in Schrecken. Die Gefahrenprognose als rechtliche Grundlage bleibt natürlich geheim. Und dass damit alle Anhänger von Eintracht Frankfurt unter einen auch rechtlich fragwürdigen Generalverdacht gestellt werden, spielt keine Rolle. Zudem zeigt die Tatsache, dass das 36-stündige Aufenthaltsverbot in der »erweiterten Innenstadt« auch für Eintracht-Fans aus Darmstadt gilt, wie widersinnig es ist.

All das ist eine Folge der Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes, zum Bundesligaspiel in Darmstadt keine Gästefans zuzulassen. Dass Kollektivstrafen als Reaktion auf Straftaten Einzelner kontraproduktiv sind und schon gar nicht deeskalierend wirken, das wusste der DFB auch schon mal besser. Aber das ist, wie Wyatt Earp, noch eine ganz andere Geschichte.

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