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Auf dem Sprung nach oben

Dresdens Volleyballerinnen stehen nach dem 3:1 im dritten Finalspiel gegen Stuttgart kurz vor der Meisterschaft

  • Von Ullrich Kroemer, Dresden
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Volleyball-Bundesliga der Frauen soll professioneller werden. Die Finalistinnen vom Dresdner SC und dem MTV Stuttgart sind derzeit klare Vorzeigebeispiele, doch andere Klubs sind überfordert.

Dass Alexander Waibl in der Nacht zum Donnerstag nur ein paar Stunden geschlafen hat, ist ein gutes Zeichen. Der Trainer der Volleyballerinnen vom Bundesligisten Dresdner SC bekommt nach entscheidenden Begegnungen - insbesondere gewonnenen Spielen – oft kein Auge zu. Das Adrenalin hält den 48-Jährigen meist bis um sechs Uhr morgens wach. Waibl spielt dann die Partien noch einmal gedanklich durch oder beschäftigt sich mit seiner dreieinhalb Monate alten Tochter, die ebenfalls keinen festen Nachtschlaf hat.

So war es auch nach dem dritten Duell der Finalserie gegen den MTV Stuttgart, das die Dresdnerinnen mit 3:1 (25:19, 25:27, 25:16, 25:20) für sich entschieden. »Wir haben aus guter Annahme hochprozentig Punkte gemacht, waren heute effektiver«, lobte Waibl. So konnte die überragende Kristina Mikhailenko immer wieder mit wuchtigen Angriffen aus dem Hinterfeld punkten - »ähnlich wie im Männervolleyball«, sagte Waibl. Dazu führten die beiden hochgewachsenen Mittelblockerinnen Kathleen Slay (1,98 Meter) und Nneka Onyejekwe (1,89) die Dresdnerinnen zu 16 direkten Blockpunkten - ein weiterer Erfolgsgarant.

Nun kann Waibls Team mit einem Sieg am Samstag in Stuttgart die dritte Meisterschaft in Serie feiern. Gewännen hingegen die Stuttgarterinnen, käme es am kommenden Montag zum entscheidenden Showdown in Dresden. Waibl weiß: »Selbst wenn wir in Stuttgart nicht gewinnen - was ich nicht glaube -, wäre ein fünftes Finalspiel ein Highlight für den Volleyball in Deutschland.« Spannende Duelle auf hohem Niveau seien wichtig.

Nach den Meisterschaftsduellen im Vorjahr sowie dem Pokalfinale vor 12 000 Fans in Mannheim stehen sich beide Klubs bereits zum dritten Mal innerhalb eines Jahres in Endspielen gegenüber. Das ist neben den international durchaus konkurrenzfähigen Spielerinnen in beiden Kadern vor allem das Verdienst der beiden Trainer, die als Perfektionisten und Taktikexperten bekannt sind und langfristig in ihren Vereinen arbeiten dürfen.

Darüber hinaus hat sich der Dresdner SC seine Spitzenposition in langjährigen Duellen mit dem Schweriner SC hartnäckig erarbeitet. Die Sachsen sind nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch in der Organisation hierzulande am besten und breitesten aufgestellt. Den Etat von 1,6 Millionen Euro bringen die Dresdner Macher um Vorstandsboss Jörg Dittrich vor allem durch eine starke Sponsorenbasis im Mittelstand auf.

Stuttgart hingegen, einst aus einer Betriebsmannschaft der Allianz hervorgegangen, wird von dem Versicherungsriesen unterstützt und trägt dessen Logo auf der Trikotbrust. Zwar gibt Manager Bernhard Lobmüller den Etat »nur« mit einer knappen Million an, doch die Aufwendungen für die erste Mannschaft dürften sich bei den Spitzenklubs der Bundesliga nur marginal unterscheiden. In jedem Fall profitiert die Szene von der Risikobereitschaft der Stuttgarter, die für das vierte Finalspiel in die 6000 Zuschauer fassende Arena im Neckarpark umziehen werden. Lobmüller glaubt sogar, den Uralt-Rekord bei einem Frauen-Bundesligaspiel überbieten zu können: 1987 waren 5000 Zuschauer nach Sindelfingen gekommen, als CJD Feuerbach und der SV Lohhof um die Deutsche Meisterschaft kämpften. »Es ist eine tolle Botschaft für den Volleyball, dass sich in Stuttgart heute wieder so viele Menschen für Volleyball begeistern lassen, wenn es um etwas geht«, sagt Lobmüller. Aus dem aktuellen Zweikampf um die Titel, glaubt »Lobo«, könne jedoch ganz schnell auch wieder ein Drei- oder Vierkampf werden. Insbesondere Schwerin, aber auch Altmeister USC Münster befinden sich wieder auf dem Sprung nach ganz oben.

»Auch aus wirtschaftlicher Sicht dürfen wir positiv in die Zukunft schauen«, prophezeit Ligageschäftsführer Klaus-Peter Jung die kommende Entwicklung. »Die Bundesliga der Frauen bewegt sich bei Etats und Zuschauerzahlen auf Augenhöhe mit den Männern. Das gibt es in keiner anderen großen Ballsportart.« Auch seien Publikumsinteresse und Budgets in dieser Saison weiter gestiegen. »Die TV-Sender kommen nicht mehr an der Volleyball-Bundesliga vorbei«, sagt Jung. Bereits in der vergangenen Spielzeit war die Präsenz der Frauen im Fernsehen laut einer Studie auf mehr als 80 Stunden angewachsen.

Sorgen dagegen bereiten der Liga die Klubs im Tabellenkeller. Mit den Standorten Suhl, Straubing und Aachen befinden sich derzeit gleich drei Klubs in einem Insolvenzverfahren. Bei Suhl und Straubing sieht es so aus, als dürften die Vereine mit neuen Spielbetriebsgesellschaften auch in der kommenden Saison in der 1. Liga mitspielen. Ob der Bundesliga-Standort Aachen gerettet werden kann, ist hingegen noch offen. Und der langjährige Erstligist Hamburg zieht sich aus freien Stücken in die 2. Liga zurück, weil trotz jahrelanger Suche kein Ersatz für den Hauptsponsor gefunden werden konnte.

Die Liga hatte das Bestreben nach größerer Professionalität in einen Masterplan gegossen, doch der überfordert offenbar einige Vereine. »Es liegt auf der Hand, dass die steigenden Anforderungen zu einem höheren Bedarf an finanziellen Mitteln führen«, sagt Ligachef Jung. »Dafür benötigt man entsprechende Strukturen und qualifizierte Mitarbeiter, die in der Lage sind, diesen Prozess zu steuern.« Daran müsse in einigen Vereinen noch gearbeitet werden. Beim Lizenzierungsverfahren, verspricht er, »in Zukunft noch genauer hinzuschauen«. Denn jede Hiobsbotschaft von einer neuen Insolvenz konterkariert auch die professionelle Arbeit von Klubs wie den Finalisten aus Dresden oder Stuttgart.

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