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Schlimme Lösungswege

Mit »Augenmaß« und »gesundem Menschenverstand« die »Pflöcke einschlagen«

Das Leben ist kompliziert, und letztlich macht es sowieso was es will. Lernfähig wie Menschen ja mitunter sind, zerbrechen sich deshalb viele von ihnen nur ungern den Kopf. Sie bevorzugen lieber Lösungswege, die zwar definitiv nicht optimal, aber bequem sind.

Dazu gehört beispielsweise die meist lebens- oder berufserfahren daher kommende Weisheit, etwas »mit Augenmaß« zu erledigen. Jeder Fünfklässler weiß zwar, dass man ein Dreieck besser mit Zirkel und Lineal konstruiert als mit »Augenmaß«. Doch für den unwichtigen Rest des Lebens scheint das ungenaueste aller Maße, nämlich »Augenmaß«, so etwas wie der Goldene Schnitt zu sein. Wahrscheinlich hat Max Weber es deshalb bemüht, als er forderte, Politik »mit Leidenschaft und Augenmaß« zu machen; so ist sie denn bis heute auch meistens.

Zu dieser Kategorie dubioser Problemlösungsverfahren gehört auch der »gesunde Menschenverstand«. Hat man dabei den im Blick, den Lessing und Goethe einst beschworen, so ist jede individuelle Versicherung, so zu verfahren, nichts als hochgradige Anmaßung. Denn hinter dem »gesunden Menschenverstand«, auf den sich gern berufen wird, verbirgt sich eher das, was Albert Einstein so beschrieb: »Er ist nur ein Sammelsurium der Vorurteile, die man bis zu seinem 18. Lebensjahr angehäuft hat.«

Ganz schlimm (und auch gefährlich!) kann es übrigens werden, wenn jemand mit »Augenmaß« und mit »gesundem Menschenverstand« irgendwelche »Pflöcke einschlägt«. Egal ob nur verbal oder auch praktisch:

Einem jungen, aus der Stadt kommenden Mann war in seinem Ökojahr übertragen worden, Pfosten für eine große Pferdekoppel zu setzen. Alle Pfähle, die da auf einem großen Stapel lagen, sollte er verwenden. Kurzerhand begann er, diese eifrig, im Abstand von einem Meter, in die Erde zu rammen. Am Ende bemerkte er, dass ihm 250 Pfähle für die gesamte Zaunlänge fehlten. Also begann er nach einer Woche von vorn. Diesmal ließ er einen Abstand von 3 Metern zwischen den Pfählen, doch am Ende hatte er nun 150 Pfähle übrig. Welchen Abstand hätte er wählen müssen, um mit seinen Pfählen exakt hinzukommen?

Lösungen per Post (Kennwort »Denkspiel«) oder Mail an spielplatz@nd- online.de. Einsendeschluss Mittwoch, 4. Mai. Absender nicht vergessen, wir losen stets einen Buchpreis aus!

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