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Nach 77 Jahren: Familien von Holocaust-Opfer wiedervereinigt

Mit Hilfe einer auf Suche spezialisierten Internetseite und mit hilfsbereiten Menschen in sozialen Medien / Frau findet durch Internationalen Suchdienst unbekannten Halbbruder

Berlin. 1939 haben sie sich zum letzten Mal gesehen - jetzt sind ihre Familien wiedervereinigt: Die Nachkommen zweier im Holocaust getrennter Brüder haben über soziale Medien zueinander gefunden. Nach einem Bericht der »Washington Post« haben sich die Familien von Abram Belz und seines jüngeren Bruders Chaim wiedergefunden. Die Brüder waren während des Zweiten Weltkrieges getrennt worden.

Abram und Chaim Belz sahen sich 1939, kurz bevor der jüngere Bruder aus einem polnischen Ghetto in die Sowjetunion floh. Ein kurzer Briefkontakt brach ab. Abram Belz ging nach Kriegsende in die USA und versuchte vergebens, seinen Bruder von dort aus ausfindig zu machen. Auch die Versuche seiner Tochter, ihre Verwandten über unterschiedliche Wege zu finden, scheiterten. Im April fasste sich Jess Katz, die Enkelin von Abram Belz, ein Herz und startete eine erneute Suche - diesmal jedoch mit modernen Hilfsmitteln.

Sie recherchierte mit Hilfe einer Internetseite, die sich auf die Nachverfolgung jüdischer Wurzeln spezialisiert hat, kommunizierte über soziale Medien und stieß dort auf hilfsbereite Fremde. Nach nur zwei Wochen hatte Katz den Sohn von Chaim Belz ausfindig gemacht - auf der Insel Sachalin im Osten Russlands. Am 20. April folgte dann das erste, emotionale Gespräch via Skype. Seitdem stehen die beiden Familien in regelmäßigem Austausch. Ein baldiger Besuch ist ebenfalls geplant.

Frau findet durch Internationalen Suchdienst unbekannten Halbbruder

NOch eine andere Geschichte des Wiederfindens ist zu erzählen: Auf der Suche nach ihrem Vater beim Internationalen Suchdienst (ITS) hat eine 1949 in Heidenheim geborene Deutsche ihren in Israel lebenden Halbbruder gefunden. Wie der ITS am Mittwoch mitteilte, habe sich die Frau nach dem Tod ihrer Mutter 2014 an den Internationalen Suchdienst gewandt, um nach dem Verbleib ihres Vaters, eines Holocaust-Überlebenden, zu forschen. Mit Unterstützung einer israelischen Hilfsorganisation kam heraus, dass der Vater 1986 in Israel verstorben war und einen 1956 im Land geborenen Sohn hatte.

Nachdem die Frau Adresse und Telefonnummer ihres Halbbruders vom ITS erhalten habe, sei sie sofort in Kontakt mit ihm getreten. Für Juni 2016 sei nun ein erstes Treffen in Deutschland geplant. Die Mutter habe mit ihrer Tochter so gut wie nie über ihren Vater gesprochen, hieß es. Auch der israelische Halbbruder habe so gut wie nichts über das Leben seines in Rumänien geborenen Vaters vor dessen Auswanderung nach Israel gewusst.

Der ITS ist ein Archiv- und Dokumentationszentrum über die NS-Verfolgung und die befreiten Überlebenden. Sein Archiv umfasst rund 30 Millionen Dokumente. Seit 2013 sind die Originaldokumente dieses Archives Teil des Unesco-Weltdokumentenerbes. Agenturen/nd

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