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Agua Zarca: Deutsche Firma stoppt Lieferungen

Nach Kritik von Oxfam: Voith will Staudammprojekt zunächst nicht mehr beliefern / Mitarbeiter des Bauträgers wegen Mord an Umweltaktivistin Cáceres festgenommen

Berlin. Nach dem Mord an der honduranischen Umweltschützerin Berta Cáceres wirft die Organisation Oxfam zwei deutschen Firmen eine Verstrickung in das Bauprojekt vor, gegen das sich Cáceres wandte. Die beiden Unternehmen Siemens und Voith seien über ein Joint Venture am Bau des umstrittenen Staudammprojekts Agua Zarca beteiligt. Die Unternehmen wiesen die Vorwürfe zunächst zurück. Inzwischen hat Voith aber seine Lieferungen für das umstrittene Wasserkraftprojekt eingestellt. Medienberichten zufolge war mindestens ein Mitarbeiter des örtlichen Bauträgers Desa in den Anschlag auf die Aktivistin verwickelt. Angehörige und Kollegen von Cáceres machen die örtliche Baufirma Desa für den Anschlag verantwortlich. Am Montag wurden in Honduras vier Verdächtige festgenommen. Einer der Männer soll Mitarbeiter von Desa sein.

»Wir haben unseren Kunden Desa informiert, (...) dass wir bis auf Weiteres alle Lieferungen für das Projekt einstellen«, teilte Voith am Mittwoch mit. Über ein Joint Venture sollten Voith und Siemens Turbinen, Generatoren und Automatisierungstechnik im Wert von rund acht Millionen Euro an Desa liefern.

Bislang wurden etwa 20 Prozent der Turbinen geliefert. Zahlungen von Desa an Voith waren bis Ende 2017 geplant. »Abhängig vom weiteren Verlauf und den Ergebnissen der Ermittlungen werden wir entscheiden, ob die Lieferungen wieder aufgenommen werden«, teilte die Firma aus dem baden-württembergischen Heidenheim mit.

Siemens unterstützte die Entscheidung des Partners. »Die Entscheidung von Voith, die Lieferungen nach Honduras zu stoppen, war notwendig und ist richtig«, teilte das Unternehmen mit. »Wir begrüßen dies ausdrücklich - genauso wie die Schritte der Behörden, vor Ort für Aufklärung der Verbrechen zu sorgen. Wir beobachten die Ermittlungen und mögliche Gerichtsprozesse mit höchster Aufmerksamkeit und verurteilen jegliche Form von Gewalt aufs Schärfste.«

»Siemens und Voith verhalten sich wie Pontius Pilatus, der seine Hände bekanntlich auch in Unschuld waschen wollte. Das ist fahrlässiges Risikomanagement in punkto Menschenrechte und hat leider Methode«, hatte Marita Wiggerthale von Oxfam zuvor kritisiert.

Zwei Monate nach der Ermordung von Cáceres hatten die Behörden vor wenigen Tagen vier Verdächtige festgenommen. Dies teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Tegucigalpa mit. Cáceres war am 3. März im Morgengrauen in ihrem Haus in La Esperanza von mindestens zwei Maskierten erschossen worden. Die Umweltaktivistin hatte als Koordinatorin der Indigenen-Organisation COPINH gegen das Staudammprojekt der Energiefirma Desa am Río Gualcarque im nordwestlichen Departamento Santa Bárbara gekämpft. Durch den Stausee würden große landwirtschaftliche Flächen überschwemmt und hunderte Angehörige der Lenca-Ethnie vom Wasser abgeschnitten. Die vierfache Mutter war wegen ihres Engagements gegen den Staudamm wiederholt mit dem Tod bedroht worden, weshalb die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (CIDH) bereits 2009 ihren Schutz gefordert hatte. Der Mord an Cáceres wurde international verurteilt. Agenturen/nd

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