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Berliner AfD-Politiker will Lager errichten

Vize-Bezirksvorsitzender aus Steglitz-Zehlendorf hetzt auf Kundgebung in Erfurt gegen Flüchtlinge

Der AfD-Politiker Andreas Wild will mit Bauholz, Hämmer, Sägen und Nägel Flüchtlingslager errichten. Das sagte er vor kurzem in Erfurt. Die LINKE fordert eine strafrechtliche Überprüfung der Aussagen.

Die Aussagen von Andreas Wild sorgen bundesweit für Empörung. Auch überregionale Medien wie das Hamburger Nachrichtenmagazin »Spiegel« berichteten am Wochenende über eine Hetzrede des Vize-Vorsitzenden des Bezirksverbandes Steglitz-Zehlendorf der Alternative für Deutschland (AfD). Wild hatte bereits am vergangenen Mittwoch bei einer Kundgebung der extrem rechten Partei in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt die Unterbringung von geflüchteten Menschen in provisorischen Lagern gefordert: »Bereits in Deutschland lebende Menschen können wir derweil in spärlich besiedelte Landstriche Deutschlands bringen und sie dort geschützt unterbringen. Dafür genügen ein paar Quadratkilometer Heide«. Und: »Wir brauchen dafür, für die vorübergehenden Flüchtlingslager keine 94 Milliarden Euro, wir brauchen dafür Bauholz, Hämmer, Sägen und Nägel.«

Die Berliner Linkspartei kritisiert die Vorschläge Wilds scharf, der auch auf Platz 16 der Berliner AfD für die Abgeordnetenhauswahl im Herbst kandidiert. »Das ist ein Aufruf, die bestehenden Flüchtlingsunterkünfte zu räumen, und die Menschen woanders unterzubringen«, sagt der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Hakan Taş. Der Innenexperte der Sozialisten fordert eine strafrechtliche Prüfung der Rede, die Wild in Erfurt gehalten habe. Eine solche Hetzrede gegen Flüchtlinge sei nicht in Ordnung.

Eine schriftliche Anfrage des »neuen deutschland« beim Landesverband der Berliner AfD zu den Aussagen ihres Listenkandidaten blieb am Sonntag zunächst unbeantwortet. Gegenüber »Spiegel Online« erklärte der Berliner AfD-Landesvorsitzende Georg Pazderski: »Andreas Wild hat darauf hinweisen wollen, dass wir in Deutschland zu große Anreize gesetzt haben für Armutsmigranten aus der Dritten Welt.« Auch im »Tagespiegel« relativierte ein Sprecher die Aussagen des AfD-Politikers.

Es ist nun nicht das erste Mal, dass der AfD-Politiker im Zusammenhang mit der Unterbringung von Asylsuchenden in Erscheinung tritt. Das »neue deutschland« hatte bereits Ende April über die Geschäfte des extrem rechten Politikers berichtet. Demnach vermittelt Wild, der auch Geschäftsführer des Unternehmens »Arbeitung und Beratung« ist, Personal, das auch bei Unterbringung von Flüchtlingen tätig ist. »Kinderbetreuung m/w für Asylantenheime« lautet seinerzeit eine Stellenausschreibung auf der Homepage des Unternehmens. Neben Betreuern ist das Unternehmen auch in das hochsensible Geschäft mit der Sicherheit von Flüchtlingsunterkünften involviert, die auch in der Hauptstadt zum Ziel von rechtsextremen Anschlägen werden. »Wir vermitteln stark in den Bereich Sicherheit«, hatte Andreas Wild damals dem »nd« bestätigt. Die Berliner AfD wollte mit der Firma ihres Kandidaten nicht in Verbindung gebracht werden.

Bei einer Einweihungsfeier der Firma Wilds in Lichtenberg hatten Ende April auch Antifaschisten protestiert. Der Berliner AfD-Vize-Bezirksvorsitzende verglich die Proteste, wie ein im Internet kursierendes Video belegt, mit »SA-Methoden«. Selber hat Wild aber offenbar keine Probleme mit der Anwesenheit von Rechtsextremisten. Laut dem »antifa-berlin.info« war bei der Eröffnung auch ein Mann vor Ort, der zuerst im Umfeld der verbotenen Neonazi-Kameradschaft »Frontbann 24« auffiel, die ihren Namen auf eine Vorläuferorganisation der faschistischen SA bezog.

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