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Tod im Schatten der Drohne

Talibanchef Mullah Achtar Mansur bei US-Angriff ums Leben gekommen / Islamisten ernennen neuen Anführer

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Der Talibanchef Mullah Achtar Mansur ist bei einem US-Drohnenangriff getötet worden. Den Führungswechsel zu Haibatullah Achundsada besiegeln die Islamisten mit einem Anschlag.

Den Wechsel an ihrer Führungsspitze leiteten die radikalislamischen Taliban mit einem Selbstmordanschlag ein. Bei einem Angriff in Kabul auf einen Bus mit Angestellten des Gerichtshofes wurden am Mittwoch zehn Menschen getötet. Zeitgleich mit dem Bekenntnis zu dieser Terrorattacke verkündete die militante Gruppe ihren neuen Chef.

Mullah Haibatullah Achundsada ist ein religiöser Führer, Gelehrter und hoher Richter. Wie lange der neue Talibanchef der Islamistenbewegung angehört, ist bisher - wie vieles andere - noch unklar. Die Unterstützung seiner Kampfgefährten dürfte ihm vorerst sicher sein. Der Oberste Rat habe sich einstimmig auf ihn geeinigt, hieß es in der Erklärung der Taliban. Alle Mitglieder der sogenannten Schura hätten ihm Gefolgschaft geschworen.

Selbst wie der Mullah aussieht, ist ein viel diskutiertes Rätsel. Ein offenbar talibannahes Twitterkonto veröffentlichte am Mittwochmittag das passbildartige Foto eines hageren Mannes mit langem schwarzgrauem Bart. Der Onlinenachrichtendienst Afghan Islamic Press hatte dasselbe Bild gezeigt. Experten bezweifeln jedoch, dass es sich dabei um den Gesuchten handelt.

Achundsada wird auf etwa 50 Jahre geschätzt und stammt aus Kandahar, dem Kernland der Talibanelite. Nach unterschiedlichen Quellen werde er als ehemaliger Oberster Richter der Taliban oder als dessen Stellvertreter beschrieben, heißt es in einer Studie des Rechercheinstituts Afghanistan Analysts Network. Laut diesem könnte Achundsada möglicherweise die begonnene Zersplitterung der Taliban-Bewegung stoppen.

Sein Vorgänger Mullah Achtar Mansur war zuvor bei einem US-Drohnenangriff in der pakistanischen Provinz Belutschistan getötet worden. Das Pentagon hatte den Angriff in der Nacht zu Samstag gemeldet, sich aber zunächst vorsichtig geäußert. Die Nachricht vom Tod des Taliban-Führers kam überraschend. Dementsprechend groß war auch die Skepsis.

Bereits Ende 2015 berichteten zahlreiche Medien vom Tod Mansurs. Damals hieß es, er sei internen Taliban-Streitigkeiten zum Opfer gefallen. Erst im Juli vergangenen Jahres beerbte Mansur den Gründer der Taliban-Bewegung, Mullah Mohammad Omar, nachdem bekannt wurde, dass dieser schon seit längerem verstorben sei.

Widersprüchliche Aussagen dominierten auch diesmal die Berichterstattung. Anfangs hieß es etwa, Mansurs Aufenthaltsort in der afghanischen Provinz Zabul sei ausgemacht und bombardiert worden. Kurz darauf änderte sich dies jedoch: Mansurs Fahrzeug sei in Pakistan Ziel eines Drohnen-Angriffs geworden.

Letztere Version setzte sich durch - und ließ gleichzeitig Fragen offen. Die beiden Leichen waren aufgrund ihrer Unkenntlichkeit nicht zu identifizieren. Bei einem Mann sollte es sich um den Taxifahrer gehandelt haben, bei dem anderen um Achtar Mansur.

Auffallend war die Tatsache, dass trotz des zerstörten Fahrzeuges und der tödlich verletzten Körper ein unbeschädigter pakistanischer Reisepass gefunden wurde, den man Mansur zuordnen wollte. Laut dem Dokument handelte es sich bei dem Toten um einen Mann namens Wali Mohammad, der 1972 geboren wurde. Bekanntlich ist Mansur, der schon in der Taliban-Regierung Ende der 90er Jahre einen Ministerposten innehatte, älter. Des Weiteren hieß es, Mansur sei meist unter dem Decknamen Hajji Nazir unterwegs und benutze keine weiteren Namen.

»Ich kannte Mansur persönlich. Er war übergewichtig und hatte eine füllige Statur wie das Opfer. Da das Gesicht jedoch nicht erkennbar ist, kann ich nicht Genaueres sagen«, meinte etwa Sami Yousafzai, ein afghanischer Journalist. Auffallend war auch, dass im gefundenen Pass iranische Einreisestempel vorgefunden wurden. Der Iran dementierte einen Aufenthalt des Gesuchten.

Das Rätselraten um den mysteriösen Tot von Mansur ist mit der Ernennung von Achundsada wohl zu Ende. Der Terror in Afghanistan wird jedoch fortgesetzt.

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