Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

»Das Wasser stand zweieinhalb Meter hoch«

Sturzflut in Bayern fordert mindestens fünf Opfer

  • Von Katharina Mau und Britta Schultejans, Simbach am Inn
  • Lesedauer: 3 Min.
Häuser liegen in Trümmern, Autos stecken im Schlamm, Straßenlaternen sind umgeknickt. Am Tag nach dem verheerenden Hochwasser schaut Simbach am Inn auf das Ausmaß der Katastrophe.

Am Morgen nach dem Hochwasser ist Simbach am Inn im Schockzustand. Zwei Frauen stehen mit Tauchern der Wasserwacht zusammen und weinen. Angehörige von ihnen sind nicht zu finden. Zwei Menschen werden in einem Haus hinter der Unterführung vermisst, sagt Polizeisprecher Armin Angloher. Taucher haben sich aufgemacht, sie zu suchen. In Niederbayern hat die Flutkatastrophe mindestens fünf Menschen das Leben gekostet - vier von ihnen lebten in der Stadt an der österreichischen Grenze. Bei drei toten Frauen im Alter von 28, 56 und 78 Jahren handele sich um Tochter, Mutter und Großmutter, berichtete ein Polizeisprecher. Weitere Menschen werden noch vermisst, so wie die beiden in dem Haus hinter der Unterführung.

Schon am Mittwochabend war klar: Das Wasser hat nicht nur Existenzen zerstört, sondern auch Menschenleben mitgerissen. Nicht weit von dem Mehrfamilienhaus entfernt, in dem die drei Frauen im Erdgeschoss gefunden wurden, steht Bettina Putta mit ihren Gummistiefeln im Schlamm im Empfangsbereich ihres Schnellrestaurants. »Hier ist doch keiner versichert«, sagt sie.

Mit einem solchen Hochwasser hat in Simbach niemand gerechnet. Die Menschen im einst beschaulichen Ort sind fassungslos. »Krieg«, sagt einer. »Wie im Krieg sieht das aus.« Autos liegen auf ihren Dächern, Straßenlaternen sind umgeknickt wie Strohhalme, Läden und Wohnhäuser sind nur noch Trümmer.

Die Anwohner schaufeln den Schlamm aus den Läden und Restaurants links und rechts der Straße. Auch von außerhalb kommen Helfer mit Schaufeln. Ladenbesitzer haben Getränke für die Rettungskräfte und Freiwilligen gebracht. Die zwei festgenommenen jungen Männer, die in der Nacht versucht hatten, ein Radio aus einem Auto zu stehlen, sind als Plünderer eine unrühmliche Ausnahme.

»Was in fünf Jahren aufgebaut ist, ist in fünf Minuten weg«, sagt Muhammed Fidanci. Dem 25-Jährigen gehört ein Kebabstand. »Ich bin nur rausgerannt, als das Wasser kam«, berichtet er. Innerhalb von zehn Minuten stand das Wasser zwei Meter hoch. Fidanci muss alle Geräte wegschmeißen - fünf Kühlschränke, eine Kebabmaschine, den Pizzaofen.

Pizza wird es auch gegenüber, im Restaurant »O Sole Mio«, bis auf weiteres nicht geben. Was einmal eine gemütliche Pizzeria gewesen sein muss, ist zerstört. Die Scheiben sind zerborsten, die Bänke und Tische umgefallen, Weinflaschen stecken im Schlamm fest. »Das Wasser stand zweieinhalb Meter hoch«, sagt Restaurantbesitzer Carmelo Giandinoto. 30 Jahre habe er den Laden schon. »Scheiße ist das. Da muss ich wieder von vorne anfangen.« Sein Pizzabäcker Franceso Soru, der seit 20 Jahren dort arbeitet, scheint den Tränen nahe.

Ein paar Meter weiter sollte in wenigen Tagen die neue Turnhalle der Realschule eröffnet werden. Es riecht noch neu in der verwüsteten Halle - doch in den Geruch von frischem Holz mischt sich der nach Schlamm und Öl, der den Ort überzieht wie ein schmieriger Film. Die Heizöltanks der Häuser sind ausgelaufen. In Teilen der Stadt wurde das Wasser abgestellt, auch Strom gibt es nicht überall. Das Wasser ist in die Häuser gerauscht und hat den Alltag mitgerissen. Alltäglich ist an diesem Donnerstag nichts in Simbach. dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln