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Studierende sollen hohe Mieten zahlen

Die Wartelisten beim Studentenwerk werden lang und länger, Geld für Neubau erhält es aber nicht. Dafür bauen Andere zu marktüblichen Preisen.

1900 Studenten stehen auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz. »Das gab es noch nie um diese Jahreszeit, dass es so viele waren«, sagt Jürgen Morgenstern, Pressesprecher des Studentenwerks dem »nd«. Genau ein Zimmer war am Freitag verfügbar. Zu Beginn des Wintersemesters im Oktober hält er es für wahrscheinlich, dass die auf der Warteliste über 3000 Namen stehen werden. Schon seit Jahren will das Studentenwerk neue Kapazitäten schaffen, doch der Senat verweigerte die Finanzierung. Immerhin 70 Wohnplätze werden durch Nachverdichtung geschaffen, finanziert mit der Sanierungsrücklage.

Die landeseigene Immobilienfirma Berlinovo feierte derweil am Freitag den ersten Spatenstich in Lichtenberg. Am S-Bahnhof Storkower Straße entstehen 129 Apartments für Studenten. 315 Euro sollen die inklusive Bad und Küchenzeile 16 eigenen Quadratmeter kosten. »Mut zu Micro« nennt das Unternehmen das und rechnet vor, dass mit Gemeinschaftsflächen rechnerisch 27 Quadratmeter pro Mieter zur Verfügung stehen. Mit dem Bau startet die Umsetzung des vom damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gegebene Versprechen, 5000 zusätzliche Wohnplätze für Studenten zu errichten.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Technischen Universität kann sich nicht so richtig freuen. »Im BAföG sind nur 224 Euro für die Miete vorgesehen«, sagt ein Sprecher. »Es ist eine Art Privatisierung, dass die Aufgabe dem Studentenwerk aus der Hand genommen wurde.«

Bei Berlinovo ist man stolz auf die niedrigen Mieten. Tatsächlich liegen die kaum unter dem, was renditehungrige Investoren wie die »Cresco Capital Group« haben wollen. Das Unternehmen, dem auch das Soho-House im ehemaligen Institut für Marxismus-Leninismus in Mitte gehört, baut gerade am Frankfurter Tor in Friedrichshain eine Ex-Bundesimmobilie in Studentenwohnungen um. Bei 20 Euro soll der Mietpreis pro Quadratmeter liegen, 400 bis 500 Euro jede der 560 Einheiten monatlich kosten. Das fand man in Friedrichshain-Kreuzberg zu hoch und blockierte den Baustart lange Zeit. Inzwischen hat sich der Investor durchgesetzt.

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