Wegen der Liebe ermordet

Die mühselige Aufarbeitung der lokalen NS-Geschichte in der schwäbischen Provinz

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Auf kommunaler Ebene kann es sehr lange dauern bis NS-Opfer gewürdigt werden. In Althengstett in Baden-Württemberg ist dies nun gelungen.

»Im Gedenken an Marian Tomczak«. Mit diesen Worten beginnt die Inschrift auf einem Gedenkstein, mit dem seit wenigen Monaten die baden-württembergische Gemeinde Althengstett (Landkreis Calw) an eine Gräueltat gegen einen polnischen Zwangsarbeiter während der NS-Diktatur erinnert. Der lange und mühselige Weg zu diesem Gedenkstein zeigt aber auch, wie schwer es sich lokale Entscheidungsträger jahrzehntelang mit der Aufarbeitung der nahen NS-Geschichte taten und immer noch tun.

Marian Tomczak war ein polnischer Soldat, der in den ersten Wochen nach dem deutschen Überfall auf sein Land 1939 in die Gefangenschaft der Nazi-Wehrmacht gelangte und wie viele andere seiner Kameraden ab 1940 als Zwangsarbeiter eingesetzt wurde. In Althengstett, einer Gemeinde am Rande des Schwarzwalds, wurde er als landwirtschaftlicher Helfer einem örtlichen Bauernhof zugewiesen. Er war einer von weit über sieben Millionen Zwangsarbeitern aus besetzten Ländern, di...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.