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Kaum Migranten in Führungspositionen

Zum Tag der Vielfalt bemängelt der Verein »Citizens for Europe« die dünne Datenlage zu Verwaltungsbeschäftigten

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 2 Min.
Berlin will den Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund in der Verwaltung erhöhen. Mit der Umsetzung hapert es. Eine Studie soll nun die genaue Zahl migrantischer Mitarbeiter herausfinden.

Die Hälfte aller Berliner Kinder unter sechs Jahren hat einen Migrationshintergrund. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sind es immer noch knapp 45 Prozent. Doch diese Zahlen spiegeln sich bei weitem nicht in der öffentlichen Verwaltung wieder. Wie klein die Anzahl der Menschen mit Migrationshintergrund tatsächlich ist, darüber lässt sich allerdings nur spekulieren. Entsprechende Daten werden nicht erhoben, kritisiert das Netzwerk »Citizens for Europe«, das anlässlich des Deutschen Diversity Tages am heutigen Dienstag verkündete, auf eigene Faust eine Umfrage zu starten. Unterstützt wird es vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) der Humboldt-Universität.

Um nicht im Datenwust zu versinken, soll zunächst ermittelt werden, wie viele Menschen in Führungspositionen migrantische Wurzeln haben. Projektleiter Daniel Gyamerah geht von einer verschwindend kleinen Zahl aus. Er stützt sich auf zwei Vorstudien von »Citizens for Europe«, denen zufolge lediglich drei Prozent der Führungspositionen in deutschen Stiftungen von Menschen besetzt sind, die selbst oder deren Vorfahren nach Deutschland eingewandert sind. Nur ein Prozent ist mit »People of Color« besetzt, also Menschen, die Rassismus erfahren.

In Bundeseinrichtungen beträgt laut einer aktuellen Studie des Bundesinnenministeriums der Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund 14,8 Prozent. Sie sind darüber hinaus häufiger befristet sowie in niedrigeren Positionen beschäftigt und seltener verbeamtet.

Für »Citizens for Europe« hat das strukturelle Ursachen. Um diese zu erkennen und sichtbar zu machen, brauche es eine solide Datengrundlage. Diese soll eine Online-Befragung und darauf aufbauende Einzel-Interviews schaffen. Darin sollen auch Diskriminierungserfahrungen abgefragt werden, um möglichen strukturellen Rassismus bei der Einstellung oder Beförderung zu identifizieren. Die genauen Fragestellungen werden derzeit ausgearbeitet. Starten sollen die Befragungen im nächsten Frühjahr, die Ergebnisse im Herbst 2017 vorliegen.

Der Senatsverwaltung für Integration zufolge hindert sie der Datenschutz daran, die geforderten Informationen zu erheben. Das hatte auch ein entsprechendes Gutachten bestätigt. Demnach sind lediglich freiwillige Befragungen möglich, die dann allerdings nicht verlässlich seien, meint Sprecher Christoph Lang. Dennoch werden neu eingestellte Auszubildende in der Verwaltung entsprechend befragt. Das Ergebnis könne »sich sehen lassen«, sagt Lang: Je nach Einrichtung geben 20 bis 40 Prozent der Lehrlinge einen Migrationshintergrund an.

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