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Nach knappem Sieg kaum Rückhalt

Perus neuer Präsident Kuczynski muss für seine Politik im Parlament mühselig Mehrheiten organisieren

  • Von Jürgen Vogt, Buenos Aires
  • Lesedauer: 3 Min.

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Pedro Pablo Kuczynski heißt der zukünftige Präsident Perus. Nach Auszählung von 99,9 Prozent der Stimmen entfallen auf Kuczynski 50,12 Prozent und auf Keiko Fujimori 49,88 Prozent.

Der Gringo hat gewonnen. Zwar ist Pedro Pablo Kuczynskis Wahlsieg amtlich noch nicht bestätigt, aber alle Analysten sind sich einig, dass die restliche Stimmauszählung nichts daran ändern werde. Von den insgesamt knapp 23 Millionen Wahlberechtigten hatten 80 Prozent ihre Stimme abgeben, 20 Prozent waren trotz Wahlplicht nicht zu den Urnen gegangen. Nach dem vorläufigen Ergebnis setzte sich der 77-Jährige damit mit nur 39 835 Stimmen Vorsprung gegen Keiko Fujimori durch.

Kuczynski lag bereits seit Bekanntgabe des ersten offiziellen Teilergebnisses am Sonntag knapp vorne und gab die Führung nicht mehr ab. Allerdings fiel das Ergebnis so knapp aus, dass mit der Bekanntgabe des Siegers bis zur Auszählung der im Ausland abgegebenen Stimmen gewartet werden musste. Am Mittwoch trafen dann die letzten Urnen in Lima ein. Wahlergebnisse aus Luxemburg (Kuczynski 84 Prozent/Keiko 16 Prozent) oder Venezuela (Keiko 66/Kuczysnki 34) wurden zum Zünglein an der Waage.

Zwar nennt sich Pedro Pablo Kuczynski selbst gerne PPK, aber sein eigentlicher Spitzname ist Gringo. Er hat den größten Teil seines Lebens außerhalb Perus gelebt, war in seiner ersten und ist auch in seiner zweiten Ehe mit einer US-Amerikanerin verheiratet und hatte bis noch vor Kurzem die US-Staatsbürgerschaft inne. Die gab er flugs zurück, als die Wahlkämpfer aus dem Fujimori-Lager sich darauf einzuschießen begannen.

Er wurde 1938 in Lima als Sohn des jüdischen Arztes Max Kuczynski, der vor den Nazis von Berlin nach Peru geflohen war, und der Schweizerin Madeleine Godard geboren. Geprägt hat ihn allerdings auch Europa. In London studierte er Flöte und Klavier und in Oxford Wirtschaftswissenschaften und Philosophie, um sich danach an der US-Universität von Princeton als Postgraduierter ganz der Ökonomie zu widmen. Auch an prominenten europäischen Verwandten mangelt es nicht: So ist der französisch-schweizerische Filmemacher Jean-Luc Godard sein Cousin; dass er mit dem verstorbenen DDR-Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Kuczynski verwandt ist, wissen in Peru nur wenige. Mitte der 60er Jahre kehrte er nach Peru zurück, um 1966 als Chef die Zentralbank während der damaligen Regierung Fernando Belaúnde zu leiten. Als das Militär 1968 putschte, ging er zurück in die USA und begann als Berater bei der Weltbank zu arbeiten. 1980 kehrte er nach Peru zurück und war zwei Jahre lang Bergbau- und Energieminister; abermals unter Präsident Fernando Belaúnde. Was folgte, waren verschiedene Direktorenposten bei internationalen Banken und ausländischen Öl- und Gasfirmen, bis er sich erneut in die Politik begab. Unter dem früheren Präsidenten Alejandro Toledo (2001 bis 2006) war er Wirtschafts- und Finanzminister sowie Ministerpräsident.

Wenn er am 28. Juli als neuer Präsident vereidigt wird, trifft er auf einen Kongress, in dem er über alles andere als über einen Rückhalt verfügt. Mit 73 von 130 Mandaten besitzt Keiko Fujimoris »Fuerza Popular« (Volkskraft) als stärkste Fraktion eine klare Mehrheit. Kuczynskis Partei »Peruanos por el Kambio« (Peruaner für den Wandel) kommt auf 18 Mandate und liegt damit noch hinter der Fraktion der linken Frente Amplio, die 20 Abgeordnete stellt.

Als Präsident ist PPK gezwungen, Mehrheiten zu organisieren. Dabei könnte Keikos Mehrheit noch am ehesten zerbröseln. Viele ihrer Abgeordneten sind nichts weiter als lokale Karrieristen, die auf den Sieg ihrer Anführerin setzten und sich schon in der Regierung wähnten. Sollten nur neun Überläufer die Fronten wechseln, sähe die Lage schon wieder ganz anders aus. Dann wäre die absolute Mehrheit futsch und damit die Möglichkeit der totalen Blockade.

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