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Jeder, nur nicht Trump?

Eine Anti-Kampagne ist eine schwache Basis für Clinton

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.

Wer am Mittwoch die »Democrats abroad« im Internet besuchte, bekam sofort Post von einem gewissen Alex. Und auch wer ihm gegenüber verneinte, US-Bürger zu sein, wurde eindringlich gebeten, alle persönlich bekannten Amerikaner zur Stimmabgabe zu drängen. 69 Prozent der Demokraten im Ausland stimmten bei der Vorwahl im März für Bernie Sanders. Und so schickte Alex gleich eine Argumentation für Enttäuschte mit: »Erstens müssen wir Trump aus dem Weißen Haus halten. Zudem gibt es neben der Präsidentschaftswahl noch weitere wichtige Rennen.«

Die Auslandsdemokraten sind nicht repräsentativ - überdurchschnittlich gebildet und weiter links als der Durchschnitt. Dennoch beschreibt diese Diskussionshilfe allgemein das Problem, das die Demokraten jetzt haben: Auch etwa 2008 war ihre Anhängerschaft zwischen Barack Obama und Hillary Clinton tief gespalten - doch schickten sie damals den Charismatiker mit dem Reiz des Neuen ins Rennen. Nun ist es die Altbekannte mit dem technokratischen Ruch.

Noch weiß man nicht, was Sanders am heutigen Donnerstag seinen Leuten mitteilen wird. Seine jüngsten Verlautbarungen deuten darauf hin, dass er sich in eine Lagerbildung gegen Donald Trump fügt: Man dürfe nicht »zulassen, dass Politiker uns nach Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung spalten«, schrieb er mit Blick auf dessen Instrumentalisierung von »Orlando«. Er teilte die Forderung nach strikteren Waffengesetzen, die Clinton und Obama nun wieder aufrufen. Sein jüngst recht unbestimmter Ruf nach einer »gerechten Besteuerung der Wohlhabenden« lässt sich vielleicht als Zustimmung zu Clintons Plan verstehen, Einkommen von über einer Viertelmillion Dollar wieder auf dem Niveau der 90er Jahre zu besteuern. Obamas nun gerichtlich bestätigtes Netzneutralitätsgesetz stelle »sicher, dass wir die Demokratie nicht an den Meistbietenden verkaufen«.

Doch so sehr sich der Senator nun als Teamspieler zeigen mag, so fraglich bleibt, wie weit sich sein Lager wieder einreihen lässt. Eine negativ ausgerichtete Kampagne nach dem Motto »Jeder, nur nicht Trump« ist eine knappe Basis. Das hat nicht einmal 2004 geklappt, als der selbst farblose John Kerry gegen George W. Bush verlor, der ähnlich polarisierte wie nun Trump. Dennoch ist gerade dies der Kern der Argumentation, die wohl nicht nur Alex von den Auslandsdemokraten nun den »Sandernistas« anbietet. Die Geschichte zeigt aber, dass die Anhängerschaft der Republikaner gefestigter und leichter zu mobilisieren ist als die der Demokraten. Die gewinnen in der Regel nur, wenn etwas Neues, Aufregendes anzubieten haben, das einen Aktivismus auslöst, der jenseits ihres Stammpotenzials wirkt. Dieses Momentum aber war auf Sanders’ Seite. Die Demokraten täten daher gut daran, dessen Forderungen und Bewegung nun nicht ganz vom Tisch zu wischen.

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