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Vollzeitrevolutionäre der »TOP« feiern Geburtstag

Linksradikale Gruppe »Theorie, Organisation, Praxis« (TOP) begeht an diesem Freitag zehnjähriges Jubiläum

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TOP Berlin (Theorie, Organisation, Praxis), eine der schillerndsten Antifa-Vereinigungen im linken Szene-Biotop der Hauptstadt, feiert ihren zehnten Geburtstag.

Nach eigenen Angaben, so steht es jedenfalls auf dem Partyflyer für den heutigen Freitag, besteht die kulturveranstaltungsaffine und im politischen Handgemenge auch mal im Black-Block-Modus operierende TOP Berlin aus »berufsjugendlichen Vollzeitrevolutionären mit Teilzeitjobs (und andersrum), Asta-Gammlerinnen und Jobcenterjongleuren, Workaholics, Nachtarbeiterinnen und Reisekadern, Kommunist_innen ausnahmslos«. Böse Zungen behaupten, die größte Sorge der Gruppe sei, dass Menschen, die zu wenig Adorno gelesen haben, auf ihre Demonstrationen kommen. Dabei steht gerade TOP Berlin für die derzeitige Wandlungsfähigkeit linker Gruppen. In ihrer Antifa-Arbeit nahmen sie schon vor Jahren den rassistisch aufgeladenen Nationalismus der gesellschaftlichen Mitte ins Visier. In letzter Zeit wurde diese Ausrichtung erweitert: um eine Beteiligung an den europaweiten Krisenprotesten wie »Blockupy« und um ein reges Engagement für Flüchtlingsproteste.

Manchem dürfte die Gruppe, die mit »Straßen aus Zucker« eine Jugendzeitschrift in einer Auflage von über 100.000 Exemplaren herausgibt, auch durch den ihr fälschlicherweise zugerechneten Tortenwurf auf Sahra Wagenknecht beim jüngsten Parteitag der LINKEN bekannt sein. Stellte doch die sonst für gut recherchierten Journalismus einstehende »FAZ« mittels Googlerecherche die steile These auf, besagter Tortenwerfer käme aus ihrem Umfeld, was sich als Ente herausstellte. In den vergangenen Jahren hat TOP Berlin, in deren Umfeld regelmäßig qualitativ hochwertige Technoparties organisiert werden, mit der Marx-Herbstschule einiges für das libertäre Marx-Studium getan. Aktuell organisiert die Gruppe eine Veranstaltungsreihe im Literaturhaus Berlin (unter anderem mit Micha Brumlik), in der es um die Rhetorik der Neuen Rechten geht.

Entstanden ist TOP Berlin als Spaltprodukt der Berliner Groß-Antifa der 90er Jahre. Die sogenannte »bessere Hälfte«, wie sie sich nach der Auflösung nannte (es folgte zunächst ein Intermezzo unter dem Namen »Kritik und Praxis«), konstituierte sich 2006, ein Jahr vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm. TOP Berlin ist inzwischen Teil des Bündnisses »Ums Ganze«, das in den vergangenen Jahren bundesweit Tausende mobilisierte, um an den Einheitsfeiertagen die nationalistische Selbstbeweihräucherung zu stören. Auch die transnational vernetzten Krisenproteste in Frankfurt am Main läutete »Ums Ganze« schon im März 2012 ein.

Laut Berliner Verfassungsschutz ist die Gruppe »militanter ausgerichtet als andere postautonome Gruppierungen«. TOP Berlin profitiere zudem »von der Erosion anderer Gruppierungen und dem Strukturwandel der linksextremistischen Szene«. Das hört sich nach harter Arbeit und verdientem Erfolg an.

Für Schlagzeilen sorgte die Gruppe zudem, als sie vergangenes Jahr nach den Verhandlungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras (SYRIZA) ein Transparent mit der Aufschrift »Deutschland, du mieses Stück Scheiße« durch Berlin trug. Der brachialen polizeilichen Intervention zum Trotz stellte sich heraus, dass dieser freimütige, einigen Menschen aus der Seele sprechende Kommentar durch das Gesetz der freien Meinungsäußerung gedeckt war. Während der Kapitalismus weiter ins schwarze Loch seiner permanenten Krisenanfälligkeit gezogen wird, wird TOP Berlin diesen Prozess zweifelsfrei kompetent begleiten. In diesem Sinn: Happy Birthday!

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