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Unfair, hilflos, aber spannend

Zum 40. Mal wird ab Mittwoch in Klagenfurt um den Ingeborg-Bachmann-Preis gelesen

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Von diesem Mittwoch an lesen 14 Autorinnen und Autoren zum 40. Mal in Klagenfurt um den Ingeborg-Bachmann-Preis. In dieser »Mutter aller Casting-Shows« geht es um Preisgelder und um einen möglichst spektakulären Zugang zum deutschsprachigen, manchmal auch zum internationalen Buchmarkt. Das Besondere an der oft schon totgesagten, immer wieder mal sehr lebendigen Veranstaltung ist die durch die Spielregeln hergestellte und durch die Live-Übertragungen garantierte Öffentlichkeit. Vor laufenden Kameras im ORF-Studio Kärnten wetteifern nicht nur die 14 Teilnehmer, sondern auch die sieben Mitglieder der Jury um Aufmerksamkeit und fortwirkende Publikumsgunst.

Jeder aus der hochkarätig besetzten Jury hatte zwei Plätze im Teilnehmerfeld zu vergeben. Diese Auswahl gilt es in der öffentlichen Diskussion zunächst zu verteidigen und die Angriffe der Kollegen abzuwehren. Das ist manchmal unfair, zuweilen hilflos, oft aber sehr spannend und qualifiziert. Alle Wettbewerbsteilnehmer haben etwa eine halbe Stunde Zeit, ihren Text selbst zu lesen, der noch nirgendwo veröffentlicht sein darf. Unmittelbar nach jeder Lesung übernimmt die Jury und bewertet mit Mitteln der Literaturkritik den gelesenen Beitrag. Das alles geschieht im prall gefüllten Studio, in dem Verleger, Kritiker, Agenten und gewöhnliche Literaturfreunde neben Schulklassen sitzen. Die ganze Veranstaltungsregie unterliegt den Gesetzen des Fernsehens. An drei Tagen - Donnerstag, Freitag und Samstag - beherrscht das Klagenfurter Wettlesen das Programm des Drei-Länder-Senders 3Sat. Außer den Lesungen und Diskussionen gibt es Interviews mit mehr oder weniger Prominenten des Literaturbetriebs aus dem deutschsprachigen Raum.

Die entscheidende Frage, die sich Jury und Außenstehende immer zu stellen haben, lautet: Wie soll man einen Beitrag literarisch bewerten, der zum Gefallen eines ganz bestimmten Kreises von fachlich qualifizierten Personen geschrieben, ausgewählt und vorgetragen wurde? Man muss ja nicht die idealistische Forderung Walter Benjamins teilen, der vor 90 Jahren schrieb: »Denn kein Gedicht gilt dem Leser, kein Bild dem Beschauer, keine Symphonie der Hörerschaft.« Das stimmt natürlich nicht und stimmte auch zu Benjamins Zeiten nicht. Aber nicht alle literarischen Bestechungsversuche durch jury- und wettbewerbsgefällige Texte haben die Juroren vergangener Jahre durchschaut. Dann kam es zu Fehlentscheidungen, die auch für den Literaturbetrieb selbst zu fatalen Folgen führten. Und die ewige Frage: Wie soll man die zuweilen ganz unterschiedliche Qualität von Text und Vortrag bewerten? Wie stellt man literarische Qualität in einem solchen Wettbewerb fest, wenn auch noch das Ego der Jurorin oder des Jurors zu bedienen ist? Und die Taktik: »Hilfst du einem meiner beiden Kandidaten, helfe ich einem von dir« - so jedenfalls ist es manchmal gewesen. Wahrscheinlich ist die Öffentlichkeit nicht nur eine Crux, sondern auch das Heilmittel gegen völlig unangemessene Juryentscheidungen. Und oft genug korrigiert der spätere Erfolg eines Werkes die Klagenfurter Bewertung. Höhepunkt der Aufmerksamkeit einer großen Öffentlichkeit ist dann die am Schlusstag dramaturgisch genial inszenierte Preisfindung. Jeder Juror muss seine Stimmabgabe öffentlich begründen. Für jeden einzelnen der Preise gibt es gesonderte Wahlgänge, weil jeder Preisträger die absolute Mehrheit der Juroren hinter sich bringen muss. Manchmal sind Stichwahlen notwendig und manch einer, der gerade knapp gescheitert ist, kommt beim den Wahlgängen zum nächsten Preis gar nicht erst in die engere Wahl. Jubel und Tränen liegen dicht beieinander. Das alles hat überdies ein hohes Unterhaltungsniveau. Schauen Sie mal!

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