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Das Publikum von morgen

Berliner Musikschultag in der Philharmonie

  • Von Irene Constantin
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Das ist ein Flöten und Geigen, Trompeten schmettern darein …« - besser als Heine kann man den Moment nicht beschreiben: Tür auf und hinein in den »Berliner Musikschultag«. Am Sonntag wirbelte er durch das Kammermusik-Haus der Philharmonie; die zwölf Musikschulen der Berliner Stadtbezirke präsentierten sich mit den unterschiedlichsten Ensembles.

Jedoch, das Klangchaos war - Meisterleistung der Musikschulen - perfekt organisiert. Jede Gruppe durfte ihre »Klanginsel« im Foyer maximal 15 Minuten bespielen. Gemshörner und A-capella-Gesang, Saxophonorchester und Tschaikowski am Klavier, das geht nur geordnet. Eingeladen hatten die Philharmoniker mit ihrem Education-Programm. Hört man »Philharmoniker«, denkt man »elitär«. Die Leiterin des Programms, Andrea Tober, beharrt auf dem Gegenteil: Schwellenängste abbauen, musikalische Früherziehung in den Stadtbezirken fördern, um ein künftiges Konzertpublikum werben; die Philharmoniker verstünden sich als Teil des Berliner Musiklebens. »Wir unterstützen die Musikschulen, denn ohne sie gibt es keinen Nachwuchs, weder an Instrumentalisten noch an Leuten, die die klassische Musik zu schätzen wissen.«

Kaum im Hause, erlauschte ich ganz feine Künste: ein barockes Blockflötenconsort musizierte, ergänzt von Streichinstrumenten und verschönert von stilgerecht tanzenden und ebenso stilgerecht gekleideten Mädchen. Die Lehrerin schwärmte von ihren Flötistinnen. Mit drei Kindern hätte sie angefangen, die Freude am Consort-Spiel sprach sich herum und je länger man probte, desto mehr musikalische Feinheiten hätten sich die Spielerinnen sogar gegenseitig beigebracht. Nun gibt es ein Reinickendorfer Barockensemble. Von der Soulband »Monday 8 P.M.« aus dem Berliner Norden gar nicht zu reden. Aber so toll die beiden Leadsängerinnen auch waren mit ihrem Cover von Pharell Williams‘ »Happy«, sie mussten ihren Platz auf der Terrasse mit Funk, Jazz, Pop, Swing, Salsa, Weltmusik aus den übrigen elf Musikschulen teilen. Woran man hören konnte, Klavier und Geige haben ihre Alleinherrschaft an den Musikschulen längst aufgegeben. Schöneberg zum Beispiel glänzte seidig mit einem Koto-Ensemble. Dort kann man das japanische Zitherspiel erlernen. Vor allem erwachsene Damen scheinen die Kurse zu belegen.

Wussten Sie schon, das 2016 außer dem Jahr des Affen und dem Jahr der Hülsenfrüchte auch das Jahr der Harfe ist? - Die Berliner Musikschulen ehrten es, indem sie nicht weniger als 34 Harfen und ihre Spielerinnen und Spieler im Kammermusiksaal versammelten. Von der zarten Minnesängerharfe bis zu sechs ausgewachsenen Konzertharfen für den »Fluch der Karibik« war alles dabei. Ein paar Stunden später hatte sich das Publikum vor den »Vokalhelden« aus Hellersdorf, Moabit und Schöneberg - dem Kinderchorprogramm der Philharmoniker - beim Mitsingekonzert blamiert und Altmeister Dieter Schnebel hatte bewiesen, dass man schon für Kindergartenkinder eine Mini-Avantgarde-Oper schreiben kann.

»Die Stadtbezirke, jeder von großstädtischem Ausmaß, wollen vor allem zeigen, welche Vielfalt in ihrer Gemeinschaft entstanden ist«, sagt Harald Fricke, einer der Sprecher der Berliner Musikschulleiter. »38 000 Schüler haben bei 1600 Lehrern Woche für Woche musikalischen Unterricht«. In einigen Stadtbezirken seien sogar noch Kapazitäten frei. »Vor allem«, betont er, »wollen wir die Schüler auf die Bühne bringen. Dass die Bühne heute die Philharmonie ist, beflügelt alle.«

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