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Killerbakterien an Rios Stränden

Studie: Wasser an den olympischen Wettkampfstätten teils mit multiresistenten Keimen verseucht

  • Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bald startet Olympia in Brasilien. Doch an den Stränden dürfte laut mikrobiologischen Untersuchungen keine Badefreude aufkommen.

Als Rio de Janeiro 2009 zum Austragungsort der Olympischen Spiele 2016 ausgelobt wurde, versprach die Stadtregierung, die zur Kloake verkommene Bucht von Guanabara bis dahin zu sanieren. Doch bis heute hat sich so gut wie nichts an der für einen Olympia-Austragungsort inakzeptablen Wasserqualität geändert. Schlimmer noch: Brasilianische Mikrobiologen bestätigten nun das Vorhandensein multiresistenter Killerbakterien im Wasser der Guanabara-Bucht und vor Rios populären Stränden. Doch Brasiliens Massenmedien und Regierung halten still, um Olympia nicht zu gefährden.

Im März 2015 ließ die Nachrichtenagentur AP das Wasser an den Wettkampfstätten auf gesundheitsschädliche Viren und Bakterien untersuchen. Die Mikrobiologen fanden sowohl an der Copacabana als auch in der Lagune Rodrigo de Freitas hohe Konzentrationen infektiöser Adenoviren. Am schlimmsten schnitt Rodrigo de Freitas ab. Hier fanden sich 14 Millionen bis 1,7 Milliarden der Viren pro Liter Wasser - Konzentrationen, die etwa in Kalifornien Katastrophenalarm auslösen würden. Adenoviren können zu Durchfall und Erbrechen führen. Eine kürzlich veröffentlichte mikrobiologische Studie von Rios staatlicher Universität UFRJ warnte nun vor tödlichen Bakterien vor Rio. Ob Copacabana, Ipanema, Leblon, Botafogo oder Flamengo: Im Wasser fanden die Mikrobiologen aus Krankenhäusern stammende, gegen Antibiotika resistente Klebsiella-Bakterien.

Normalerweise ist das in Darm und Mund vorkommende Bakterium Klebsiella pneumoniae für den Menschen ungefährlich. Doch resistent gegen Antibiotika kann es schwere Erkrankungen wie Harnwegs- und Lungenentzündung sowie Blutvergiftung verursachen. Mutierte Klebsiella-Keime, die dank eines Enzyms selbst gegen Antibiotika der Gruppe der Carbapeneme resistent sind, traten erstmals 1996 in New York auf. »Von dort verbreiteten sich diese das Enzym Carbapenemase bildenden Bakterien schnell in weiteren Krankenhäusern der Stadt und des Umlandes von New York«, so das Robert Koch-Institut in Berlin. Die KPC genannten Superbakterien sind inzwischen in vielen Ländern der Welt nachgewiesen. 2010 starben in Brasilia 25 und in Rio 13 Menschen an den Folgen einer KPC-Infektion.

Die Konzentration der Bakterien in den vor Rios Stränden und Wettkampfstätten gezogenen Proben sei zwar gering, doch die Anzahl der Superbakterien in Meer und Badewasser sollte Null sein, so das UFRJ. »Ihre Präsenz an Rios Stränden stellt ein gravierendes Problem der öffentlichen Gesundheit dar«, warnt Rafael Duarte. Der Mikrobiologe und Mediziner macht das direkte oder indirekte Einleiten von Krankenhausabwässern dafür verantwortlich.

Die Wasserproben wurden bereits vor zwei Jahren gezogen, als das medizinische Forschungsinstitut Oswaldo Cruz in Rio de Janeiro erstmals vor KPC warnte. Die Mikrobiologen wiesen die Killerkeime an drei Stellen des Carioca-Flusses nach, der dort in die Guanabara-Bucht mündet, wo im August die Segelregatten stattfinden sollen. Duarte ist sicher, dass die Wassersituation kaum besser ist als 2014. Die Koordinatorin der Studie, Renata Picão, sieht das ebenso. Aufgrund der mangelnden Abwasserentsorgung in Rio müsse man auch heute von einem Vorhandensein der Mikroben im Wasser ausgehen.

»Unserer Untersuchung zufolge sind diese Bakterien offensichtlich nicht nur im Rio Carioca vorhanden«, so Picão. Auch der Kanal Vis-conde de Albuquerque in Leblon, der Kanal Jardim de Alah in Ipanema, die Entwässerungskanäle der Flüsse Banana Podre und Berquó, die Regenwasserkanäle am Strand von Botafogo sowie die Bucht von Guanabara seien kontaminiert und transportierten die Bakterien an die Strände.

Rio de Janeiros Medien wurden über die Studie informiert, doch es gab kaum Berichterstattung. Das verwundert Picão: »Wir jedenfalls haben allen großen Sendern und Presseorganen Interviews gegeben.«

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