Märchen und Misskredit

Grimm-Forschung

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Der Kasseler Grimm-Forscher Holger Ehrhardt hat die Erzählerin der Märchen »Aschenputtel« und »Der goldene Vogel« identifiziert. Es handele sich um die Marburger Kleinbürgerin Elisabeth Schellenberg, die 1814 verarmt und kinderlos in einem Marburger Siechenhaus gestorben sei, sagte Ehrhardt am Freitag. Für die bisher als aussichtslos geltende Aufhellung der Identität der Frau habe er lediglich fünf Tage gebraucht, in denen er Archive, Namenslisten, Sterberegister und andere Quellen durchsah.

Für die Brüder Grimm, die über einen Hinweis von Clemens Brentano auf die Spur der Marburger Märchenfrau kamen, sei es allerdings sehr schwierig gewesen, an die Märchen zu kommen. Die Frau habe sich geweigert, sie zu erzählen. »Märchen waren damals keine salonfähige Gattung, sie galten als Altweibergeschwätz«, sagte Ehrhardt. Offensichtlich habe Schellenberg wohl Angst gehabt, durch das Erzählen der Märchen in Misskredit zu geraten. Nur durch eine List, indem Wilhelm Grimm Kinder zu der Frau schickte, sei es gelungen, ihr die beiden Märchen zu entlocken. epd

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