Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Betroffene bekommen zum 1. Januar 2017 automatisch den Pflegegrad 2

Wer bisher keine Pflegestufe hat

  • Von Uwe Strachovsky
  • Lesedauer: 3 Min.
Rund 109 000 Menschen erhalten laut Barmer Pflegereport Unterstützung von der Pflegeversicherung, obwohl sie keine Pflegestufe haben.

In diesen Fällen handelt es sich um Personen mit »erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz« - etwa durch Demenz, geistige Behinderungen oder psychische Erkrankungen. Die Pflegeversicherung zahlt, obwohl der Hilfebedarf etwa bei der Körperpflege oder in der Hauswirtschaft nicht das Ausmaß der Pflegestufe 1 erreicht.

Allerdings besteht bei den Betroffenen laut Sozialgesetzbuch XI »ein erheblicher Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung.« Oft wird hierbei von der sogenannten Pflegestufe 0 gesprochen.

»Um Leistungen zu bekommen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein«, erklärt dazu Sylke Wetstein von der bundesweiten Compass Pflegeberatung. »Die Situation muss zum einen dauerhaft sein, laut Gesetz sind das mindestens sechs Monate. Zum anderen muss die eingeschränkte Alltagskompetenz ein Gutachter des Medizinischen Dienstes beziehungsweise von Medicproof feststellen. Ein Attest vom Haus- oder Facharzt genügt nicht.«

Die Begutachtung ist direkt bei der Pflegeversicherung zu beantragen. Gleichzeitig empfiehlt es sich, auch eine Pflegeberatung in der Wohnung des Betroffenen anzufordern. Dabei können die Besonderheiten der Begutachtung im Detail besprochen werden. Denn diese unterscheiden sich grundsätzlich von den Bewertungskriterien für die Pflegestufen 1 bis 3. Termine vereinbaren gesetzlich Versicherte mit ihrer Pflegekasse, privat Versicherte mit der Compass Pflegeberatung. Die Beratung ist immer kostenlos und anbieterneutral.

Wird dem Antrag stattgegeben, besteht unter anderem Anspruch auf Pflegegeld von 123 Euro oder auf Zuschüsse für einen ambulanten Dienst in Höhe von bis zu 231 Euro monatlich. Für zusätzliche Betreuung und Entlastung stehen weitere 104 Euro - in schweren Fällen 208 Euro - monatlich zur Verfügung. Hinzu kommen je 1612 Euro jährlich für die Kurzzeit- und Verhinderungspflege, 4000 Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen sowie 2500 Euro als Anschubfinanzierung für eine Wohngruppe. Das alles gilt bis zum 31. Dezember 2016.

Ab 1. Januar 2017 gibt es keine Pflegestufen mehr, auch die sogenannte Stufe 0 ist dann Geschichte. Stattdessen gelten völlig neue Kriterien für die dann neuen Pflegegrade und das Begutachtungsverfahren.

Alle, die bis zum 31. Dezember 2016 eine Pflegestufe haben, werden zum 1. Januar 2017 in einen Pflegegrad »übergeleitet«. Das gilt auch für jene, die bis dahin allein wegen erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz Leistungen von der Pflegeversicherung erhalten. »Sie erhalten den neuen Pflegegrad 2«, erläutert Sylke Wetstein. »Das geschieht automatisch, also ohne neue Begutachtung.« Während sich mit dem Pflegegrad 2 an den Summen etwa für die Kurzzeit- und Verhinderungspflege nichts ändere, werde dann das Pflegegeld auf 316 Euro und der Zuschuss für einen ambulanten Dienst auf 689 Euro monatlich erhöht.

Dies sind die Beträge, die derzeit noch für Pflegebedürftige mit Stufe 1 und zusätzlicher eingeschränkter Alltagskompetenz gezahlt werden.

Weitere Informationen sind unter der gebührenfreien Telefonnummer (0800) 101 88 00 erhältlich.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln