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Woher Störtebeker sein Malz holt

  • Von Jürgen Drewes
und Birgit Sander, Stralsund
  • Lesedauer: 3 Min.
In Mecklenburg-Vorpommern steht die Gerstenernte unmittelbar bevor. Doch unter den goldgelben Beständen ist immer weniger Braugerste. Bauern können einfacher Geld verdienen.

Landwirt Peter Geißler schreitet seinen Braugersteschlag unweit der Rügendammbrücke auf Deutschlands größter Ostseeinsel ab. »Reiner Ökoanbau. Wir wenden hier eine spezielle Technologie an«, sagt er. »Der Reihenabstand ist größer, so dass wir mit moderner Hacktechnik das Unkraut beseitigen können, ohne dass die Pflanzen Schaden nehmen«, erläutert der Chef der Agrargesellschaft Gustow. Mit der »Rügener Ökobraugerste« hat der Landwirt ein eigenes Tochterunternehmen gegründet.

Nur wenige Kilometer von den Gerstenfeldern entfernt, in Stralsund, produziert die Störtebeker Braumanufaktur 140 000 Hektoliter Bier im Jahr. Sie ist damit eine klassische mittelständische Brauerei. Im Angebot sind 13 Standard-Biersorten. Jede fünfte Flasche ist Bio-Bier, das es in sechs Sorten gibt, wie Firmensprecherin Elisa Preuß berichtet. Der Trend sei steigend.

Der Weg der Bio-Braugerste von Rügen in die Stralsunder Brauerei könnte kurz sein - wenn es denn in der Nähe eine Bio-Mälzerei gäbe, die Gerste zu Malz zum Bierbrauen verarbeitet. »Regionales Bier auf Basis regionaler Rohstoffe, das wäre das Optimum«, meint Geißler. Doch für Störtebeker lohnt sich der Bau einer eigenen Mälzerei noch nicht, wie Preuß sagt. Daher verkauft Geißler seine nach Braugerste an den Biopark-Verband in Malchin. Dieser vermarktet für rund 600 Unternehmen unterschiedliche landwirtschaftliche Öko-Produkte. Wo seine Ökobraugerste letztlich landet, weiß Geißler nicht. Nur wenige Mälzereien in Deutschland verarbeiten ökologisch erzeugte Braugerste, die größte steht in Nürnberg.

Die Störtebeker-Brauerei kauft Preuß zufolge den größten Teil des Malzes in Thüringen ein. »Das ist dann Braugerste aus dem Thüringer Umland«, sagt sie. Das sei die nächstgelegene Bio-Mälzerei. Speziellere Sorten kämen aus Bayern.

Der Chef des Braugerstenvereins in Mecklenburg-Vorpommern, Joachim Vietinghoff, wirbt für die Erweiterung des Anbaus. Gerade noch gut ein Dutzend Betriebe im Land hielten zur Stange, rund 6000 Hektar seien mit Braugerste bestellt. »Wenn mit Weizen, Mais und Raps einfacher und auch mehr Geld verdient werden kann, hat die Braugerste kaum eine Chance«, gibt er zu bedenken.

Für die Verwendung als Braugerste eignen sich nur spezielle, für diesen Zweck gezüchtete Sorten. Entscheidend für die Mälzereien sind ein geringer Eiweißgehalt von um die zehn Prozent, eine hohe Keimfähigkeit sowie ein Wassergehalt zwischen zwölf und 15 Prozent.

»Für mich ist das kein Problem. Wir bekommen das immer gut hin«, sagt Wilfried Lenschow, Chef der Agrargenossenschaft Bartelshagen I im Landkreis Rostock. Abnehmer deren konventionell erzeugter Braugerste ist die Firma Malteurop im Rostocker Seehafen. Das Gros der Landwirte im Land ist jedoch längst auf andere, im Anbau weniger risikovolle Kulturen umgeschwenkt.

Karl Heinz Kunstmann hat die Entwicklung über Jahrzehnte verfolgt. Der Anbauberater und Saatguthändler im Ruhestand sieht neben den hohen Anforderungen beim qualitätsgerechten Anbau vor allem auch Schwierigkeiten bei der Vermarktung als Hauptgrund für den Rückgang. Früher galt die Insel Rügen als Eldorado für die Nutzpflanze. »Da hat praktisch jeder Betrieb mitgemacht«, sagt Kunstmann. dpa/nd

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