Wir sind die Guten

Das WelcomeCamp bringt Initiativen, Ehrenamtliche, Geflüchtete und große Organisationen zusammen.

  • Von Sebastian Bähr und Florian Brand
  • Lesedauer: 12 Min.

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Im Sommer der Migration 2015 kamen Hunderttausende Flüchtlinge nach Europa und haben auch Deutschland und die Menschen verändert. Entstanden sind seitdem zahlreiche Initiativen, die auf vielfältige Weise praktische Solidarität üben. Die Projekte für Geflüchtete sind hauptsächlich Initiativen aus sozialen Bewegungen und der Zivilgesellschaft, Unterstützung kommt aber auch von staatlicher, wirtschaftlicher und kirchlicher Seite sowie von Flüchtlingen selbst. Die kontinuierliche Arbeit der Menschen hinter den Projekten bleibt oft unsichtbar. Wir stellen elf Initiativen vor, die Geflüchteten helfen und sich dabei meist moderner Formen der Informationstechnologie und des Internets bedienen.

Flüchtlinge Willkommen

Vermittlung von privaten Wohnungen

»Flüchtlinge Willkommen« vermittelt Wohnraumgebende und geflüchtete Menschen auf seiner Webseite, um ein privates Zusammenleben fernab der Massenunterkünfte zu ermöglichen. Die Mitarbeiter sind auch Ansprechpartner für Fragen des gemeinsamen Wohnens und bereiten die Kostenübernahme durch Ämter vor. Interessenten mit freien Zimmern müssen die Miete somit nicht selbst zahlen – gemeinsam soll nach Wegen der Finanzierung gesucht werden.
Das Projekt entstand im Herbst 2014, als die Gründer Mareike Geiling, Jonas Kakoschke und Golde Ebding aus einer privaten Zimmervermittlung an einen Geflüchteten eine bundesweite Plattform aufbauen wollten.
Mittlerweile gibt es Büros in Berlin, Hamburg, Leipzig und München sowie mit »Refugees Welcome International« ein Netzwerk, was neun weitere Länder beinhaltet, in denen das Konzept adaptiert wurde. Auch Städte und Kommunen können sich mittlerweile von dem jungen Team beraten lassen. Bereits 329 Flüchtlinge haben bis Anfang Juli mithilfe des Projekts eine Wohnung gefunden.
www.fluechtlinge-willkommen.de

Workeer

Arbeitsplatzbörse für Schutzsuchende

»Workeer« ist eine Ausbildungs- und Arbeitsplatzbörse, die sich an Geflüchtete richtet. Wer nach seiner Ankunft in Deutschland einen Job sucht, ist mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert. Insbesondere das Fehlen eines professionellen Netzwerks erschwert einen schnellen Erfolg. Hier setzt das Konzept der Plattform an, da Arbeitgeber- und Bewerber über eigene Profile – ähnlich wie auf der professionellen Webseite xing.com – unkompliziert miteinander Kontakt aufnehmen können.
Die momentan 2095 Jobangebote von 1927 Arbeitgebern stammen aus verschiedenen Branchen und sind in ganz Deutschland zu finden. Rund 2350 registrierte Flüchtlinge können unter den eingestellten Anzeigen auswählen.
Die Börse ist als Abschlussprojekt von David Jacob und Philipp Kühn im Rahmen ihres Studiums an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft im Sommer 2015 entstanden. Seit Januar dieses Jahres wächst das Team, derzeit versucht man, professionelle Strukturen aufzubauen.
www.workeer.de

Refugee Hackaton

Programmieren für Geflüchtete und ihre Helfer

Ende Oktober fand in Berlin der erste »Refugee Hackaton« statt. Dabei kamen rund 300 Programmierer, Designer und Entwickler an einem Wochenende zusammen, um Smartphone-geeignete Software für Geflüchtete und deren Unterstützer zu entwerfen. »Wir wollen digitale Lösungen schaffen, die Flüchtlingen das Ankommen erleichtern und Hilfeleistenden das Hilfeleisten erleichtern«, fasste die Gründerin des Kongresses, die Netzpolitikerin Anke Domscheit-Berg, das Vorhaben zusammen. Insgesamt arbeiteten die IT-Spezialisten an 18 verschiedenen Projekten.
Inhaltlich ging es beispielsweise um die Koordinierung von Spenden und Hilfsangeboten oder um das Lernen der deutschen Sprache. Es wurde aber auch an eher subversiven Programmen wie einem – von der Bundesregierung unerwünschten – Online-System zur Stellung eines Asylantrages gewerkelt.
Laut eigener Erhebung tranken die Teilnehmer insgesamt 265 Liter Mate und Kaffee, der Frauenanteil lag bei 28 Prozent. Im März 2016 fand in Berlin bereits eine erste Nachfolgekonferenz statt.
www.refugeehackathon.de

Paten für Flüchtlinge

Nachzug von Angehörigen organisieren

»Flüchtlingspaten Syrien« hat sich im März 2015 in einer kaum bekannten Nische der Hilfsstrukturen entwickelt: Noch immer lassen einige Bundesländer den Familiennachzug für syrische Flüchtlinge zu, sofern ein »Verpflichtungsgeber« deren Lebensunterhalt trägt, also dem Staat daraus praktisch keine Kosten entstehen.
In dem Hilfsprojekt haben sich als Folge Anwälte, Geschäftsleute und Beamte zusammengeschlossen, um die Angehörigen der Geflüchteten finanziell und logistisch durch eine solche Erklärung zu unterstützen. Diese Bereitschaft ist dabei unwiderruflich und gilt für die gesamte Zeit des Aufenthaltes in Deutschland. Die daraus resultierenden Kosten möchte der Verein mit seinen derzeit 30 ehrenamtlichen Mitarbeitern und 70 Verpflichtungsgebern gemeinsam schultern.
Interessierte Unterstützer können mit Spendenbeiträgen in Form einer Patenschaft helfen: Beiträge ab zehn Euro können als Einmalzahlung oder Dauerauftrag über die Webseite vergeben werden. Mehr als 120 syrische Familienangehörige konnten durch das Projekt bisher in Sicherheit gebracht werden.
www.fluechtlingspaten-syrien.de

Arriving in Berlin

Interaktiver Stadtplan mit wichtiger Infrastruktur

»Arriving in Berlin« ist ein von vier Flüchtlingen selbst erstellter Online-Wegweiser durch die Hauptstadt. Farbig codierte Symbole zeigen auf einer Karte, wo man sich von Anwälten beraten lassen, Nahverkehrstickets kaufen oder Sprachunterricht in Anspruch nehmen kann. Ärzte finden sich in Grün, Polizeistationen in Blau, Bibliotheken in Beige und Freizeitangebote in Pink. Die interaktive Karte ist dabei auf Englisch, Arabisch und Farsi abrufbar und für das Smartphone optimiert.
Verantwortlich sind der Stadtplaner Hamidullah Ehrari, der Kaufmann Alhadi Aldebs, der Übersetzer Mohammad Yari und der Biotechnologe Farhad Ramazanali. Alle sind Bewohner des Wohnheims »Leo«, das neben dem »Haus der Kulturen der Welt« das Projekt unterstützt hat.
Die Entwicklung entsprang simpler Notwendigkeit: »Das erste Problem nach meiner Ankunft war, alle nötigen Unterlagen und einen Doktor zu finden«, berichtet Aldebs. Die Gruppe recherchierte die Informationen mit der Methodik der kritischen Geografie. Die nächsten Neuankömmlinge sollten es einfacher haben.
www.arriving-in-berlin.de

Welcome App

Einsteigerprogramm für Erstinformationen

Die »Welcome App« stellt Flüchtlingen alle relevanten Informationen über Dresden, allgemeine und rechtliche Hinweise sowie lokale Kontaktstellen zur Verfügung. Verantwortlich für die gemeinnützige Initiative sind die mittelständischen Dresdner IT-Unternehmen »Saxonia Systems AG« und die »Heinrich & Reuter Solutions GmbH«, die das Programm auch regelmäßig aktualisieren. Anfangs nur auf die sächsische Hauptstadt beschränkt, sind mittlerweile weitere Städte wie Rostock oder Chemnitz hinzugekommen.
Die App teilt die Informationen in die Bereiche Asyl, Hilfe, Alltag und Beratung auf. An Sprachen steht neben Deutsch auch Englisch, Französisch und Arabisch zur Verfügung. Die Einstellungen passen sich der bereits ausgewählten Telefonsprache an.
Bisher wurde die App rund 5000 mal runtergeladen, Tendenz steigend. Das auch offline funktionierende Programm ist für informative Erstinformationen gut geeignet, bietet aber (noch) keine interaktiven Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Austausch auf lokaler Ebene.
www.welcome-app-concept.de

Refugees Emancipation

Kurse und selbstverwaltete Internetcafés

»Refugees Emancipation« arbeitet seit 15 Jahren daran, von Flüchtlingen selbstorganisierte Internetcafés zu errichten und Computerkurse anzubieten. Der aus Kamerun stammende Eben Chu gründete das gemeinnützige Projekt mit anfangs fünf gespendeten Computern. Das Ziel war angesichts der oftmals isolierten Lebenssituation der Geflüchteten klar: »Wir konnten mit dem Internet die uns aufgezwungenen Barrieren überwinden und endlich an der Zivilgesellschaft partizipieren«, erklärt der Aktivist.
Das erste Internetcafé entstand in Potsdam, bald folgten acht weitere hauptsächlich in Flüchtlingsunterkünften in Brandenburg und Berlin. Mittlerweile bekommt das Projekt wöchentlich Anfragen von anderen deutschen Initiativen und Heimleitern. »Wir sind jedoch kein Internetdienstleister«, betont Chu. »Wir haben die Schlüssel, wir machen die Regeln, wir entscheiden.« Eine Spendenkampagne der Hackervereinigung Chaos Computer Club, des Freifunk Berlin sowie des Vereins Freie Netze konnte 60 000 Euro zur diesjährigen Finanzierung des Projektes zusammentragen.
www.refugeesemancipation.com

Zanzu – mein Körper

Sexuelle Aufklärung in 13 Sprachen

»Zanzu« ist die digitale Version des Aufklärungsklassikers Dr. Sommer für Flüchtlinge. In 13 verschiedenen Sprachen wird von Petting über Penishygiene bis zum Ablauf des »ersten Mal« alles in einfachen Grafiken erklärt. Ursprünglich stammte die Idee von dem belgischen Expertenzentrum »Sensoa« – die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hatte das Konzept mit Hilfe der Forscher adaptiert und an den deutschen Kontext angepasst.
Das Projekt bietet ausführliche, aber diskrete Informationen, von denen vor allem diejenigen profitieren sollen, die in ihren Herkunftsländern keinen Sexualkundeunterricht hatten oder in einem Umfeld leben, in dem Sexualität und der eigene Körper tabuisiert sind. Dennoch wurde bei der Erstellung der Grafiken auf kulturelle Sensibilitäten geachtet.
Durch Piktogramme kann anfangs der gewünschte Themenbereich gewählt werden: Es gibt Informationen zu Körperwissen, zu Familienplanung zu Infektionen, Sex, Beziehungen und Gefühlen, aber auch zur Rechts- und Gesetzeslage. Die Inhalte können auch angehört werden, wenn man nicht lesen kann.
www.zanzu.de

Missing Kids

Suche nach vermissten Angehörigen

»Missingkids« ist eine Plattform, die den Aufenthalt von verschollenen minderjährigen Flüchtlingen feststellen will. Hilfsorganisationen können nach einer Mailanfrage den Zugang auf eine Datenbank erhalten, wo sie eine Meldung aufgeben können. Angehörige der vermissten Kinder oder Betreuer haben zudem die Möglichkeit, über die Webseite eine Vermisstenmeldung aufzugeben. Das Projekt entspringt dem Verein »Initiative vermisste Kinder«.
Ähnliche Ziele verfolgen »Trace the face« sowie »Refunite«. Auf »Trace the face« können Menschen über das Rote Kreuz und den Roten Halbmond ihre Angehörigen suchen. Dafür werden eigene Fotos und die Namen der gesuchten Familienmitglieder an die Hilfsorganisationen übergeben, die in ihren Einsatzländern dann Plakate aufhängen. »Refunite« ermöglicht, per SMS, Telefon, Computer und Smartphone über die Homepage nach Angehörigen zu suchen. Jeder kann ein Profil anlegen, wodurch es aber leider viele Falschinformationen gibt.
www.missingkids.eu www.familylinks.icrc.org www.refunite.org

Volunteer Planner

Vermittlung von ehrenamtlichen Helfern

»Volunteer-planner.org« vermittelt zwischen ehrenamtlichen Helfern und den Betreibern von Flüchtlingsunterkünften. Freiwillige können nach einer Anmeldung auf der gemeinnützigen Plattform direkt den von Einrichtungen mitgeteilten Bedarf erkennen und sich für eine Arbeitsschicht in ihrer Nähe eintragen. Bisher haben sich auf der Seite knapp 42 000 Helfer und 66 Unterkünfte registriert. Laut eigener Angabe konnten dadurch insgesamt rund 153 000 Arbeitsstunden vermittelt werden.
Die Idee zu dem Projekt entstand im Sommer 2015 in einer Notunterkunft im Berliner Bezirk Wilmersdorf. Dort hatte zu Beginn eine einzige Person die Aufgabe, über 200 Freiwillige zu koordinieren. Bis zu 17 Stunden war sie täglich im Einsatz, bis ein Programmierer für Entlastung sorgte und eine erste Version ins Netz stellte.
Mittlerweile ist die Plattform für alle Unterkünfte in Deutschland verfügbar, es gibt auch Interesse aus dem Ausland. Die Berliner Initiatoren haben sich vor Kurzem in der Gruppe »Coders4Help« zusammengeschlossen und den gemeinnützigen Verein »Benefit e.V.« gegründet.
www.volunteer-planner.org

WelcomeCamp Berlin

Wissensaustausch ohne Hierarchie: Treffen von Medienprofis, Flüchtlingshelfern und Geflüchteten. Ein Interview mit einem der Initiatoren.

Am 9. Juli findet das »WelcomeCamp« am Franz-Mehring-Platz 1 statt. Worum geht es dabei?
Das Besondere am »WelcomeCamp« ist, dass es keine klassische Konferenz ist, sondern ein BarCamp, also eine sogenannte Unkonferenz. Unkonferenz bedeutet, dass der Tagesplan insofern schon feststeht, dass wir wissen, in welchen Räumen wann etwas stattfindet, aber wir wissen noch nicht was. Nach der Begrüßungsrunde können sich die Menschen melden, die eine Session machen möchten und dann wird das Plenum befragt, welche Themen besonders spannend sind.

Warum Unkonferenz?
Das ist ein sehr gängiges Format in unserer Branche, das darauf basiert, dass alle Teilnehmer die gleichen Rechte und Pflichten bekommen. Und diese Augenhöhe ist für uns ein wichtiges Element. In Wirklichkeit wissen wir es doch auch nicht besser als jede einzelne Initiative dort draußen, aber wir würden es gern verstehen und wir sind uns sicher, es geht vielen anderen Menschen auch so.

Was erwarten Sie sich vom »WelcomeCamp«?
Wir hoffen, dass an dem Tag zum »WelcomeCamp« erste Projekte angestoßen oder auch Kooperationen geschmiedet werden. Aber der Schwerpunkt liegt im Austausch der Initiativen untereinander und dem Verständnis für Freelancer, freiwillige Helfer und Leute aus dem Kommunikationsbereich, wie wir es sind, zu erfahren, wie man am sinnvollsten helfen kann und wo noch Hilfe benötigt wird.

Worin besteht die Schwierigkeit der Vernetzung der einzelnen Hilfsangebote?
Das Problem besteht hauptsächlich darin, dass viele Initiativen und Projekte ehrenamtlich geführt und umgesetzt werden und in den meisten Fällen ähnlich entstanden sind wie die Idee zum »WelcomeCamp«, nämlich dass hilfsbereite engagierte Menschen gesagt haben, wir müssen etwas tun. Und diese Herangehensweise hat offenbar dazu geführt, dass Dinge doppelt angeboten werden, weil zum Beispiel neben dem Beruf keine Zeit mehr da ist, um Projekte, Apps oder Webseiten entsprechend zu kommunizieren. Abgesehen davon ist das natürlich auch ein ganz eigener Berufszweig und insofern für viele Leute schwierig, die mit Kommunikation oder Vermarktung nicht so viel zu tun haben. Da wollen wir anknüpfen und helfen.

Gerade im vergangenen Sommer sind enorm viele Projekte aus dem Boden gestampft worden, von denen mittlerweile viele auf der Strecke geblieben sind. Wie kann man eine solche Euphorie, wie sie im vergangenen Jahr entstanden ist, langfristig nutzen ohne »Ressourcen zu verschwenden«?
Das geht im Kleinen zum Beispiel indem wir mit »Friedrichshain hilft« kooperieren. Unseren Gästen haben wir vorab kommuniziert, dass sie gerne Kleider- und Sachspenden abgeben können. Es wäre natürlich schön, wenn sich das dann weiter verbreitet und mehr Menschen die Möglichkeit nutzen, am Berliner Ostbahnhof Spenden vorbeizubringen.
Und im Großen sind wir uns sicher, dass mit dem Camp Synergien entstehen, die nicht nur durch das Camp einen Motivationsschub auslösen, sondern auch Motivation dadurch, dass Menschen mit ähnlichen Herausforderungen zusammenkommen, sich ergänzen und damit die dauerhafte Begleitung für einzelne Projekte erleichtern.

Inwiefern trägt das »Welcome Camp« zu einer integrativen Willkommenskultur bei?
Natürlich sind wir auch keine Gruppe, die glaubt, mit nur einer Veranstaltung die Welt retten zu können. Aber wir wollen ein Zeichen setzen, dass es zusammen immer einfacher ist als aneinander vorbei oder gegeneinander. Und wir glauben, dass das Zusammenführen der unterschiedlichsten Disziplinen, vom Web-Entwickler bis hin zum Gitarrenspieler, der sein Talent weitergibt, unheimlich viel Kraft und Energie freisetzt und zeigt, dass es eben nicht darum geht, im Großen etwas tun zu müssen, um etwas zu ändern, sondern allein das miteinander Reden, das Zuhören, das Zusammenführen von Kompetenzen eine große Hilfestellung sein kann.
www.refugeeswelcome.berlin

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