Werbung

Frankreich freut sich aufs Finale

Der Halbfinalsieg überstrahlt die Mühen des Alltags - vorm Endspiel gegen Portugal stapelt Trainer Deschamps tief

  • Von Maik Rosner, Marseille
  • Lesedauer: 4 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

EM-Gastgeber Frankreich erlebt durch den Halbfinalsieg gegen Deutschland Momente ungetrübter Freude. Das Endspiel gegen Portugal wird ein Duell der Individualisten Griezmann und Ronaldo.

Wenige Minuten war der Finaleinzug erst alt, da inszenierte Frankreichs Nationalmannschaft gemeinsam mit ihren Anhängern noch einmal jenes Huh, mit dem die Isländer das Turnier geprägt hatten und das dieses wohl auch überdauern wird. Gemeinsam mit den Zuschauern auf der Tribüne steigerten Antoine Griezmann und die anderen französischen Spieler ihren Klatschrhythmus, begleitet von diesen wuchtigen Huh-Rufen. Als das Ritual beendet war, hüpften und tollten die Spieler aufgedreht auf dem Rasen umher. Die französischen Fans taten es ihnen erst auf der Tribüne und später in den Straßen gleich, in Marseille und anderswo im Land.

Die Bilder der ausgelassenen Stimmung hatten etwas Befreiendes, weit über das Marseiller Stade Vélodrome hinaus. Griezmann, der beim 2:0-Sieg im Halbfinale gegen Weltmeister Deutschland beide Tore erzielt hatte, kam nicht umhin, die Brücke zu jenen Themen zu schlagen, die die EM überlagert hatten. »Es war unsere Pflicht, die Spiele zu gewinnen, um den Leuten eine Freude zu bereiten«, sagte der Stürmer, »ich hoffe, wir können nun auch das Finale gewinnen.«

Am Sonntag im Saint-Denis steht dieses Spiel gegen Portugal an - in Frankreichs Nationalstadion, das beim Testspiel gegen Deutschland im November von den Terroranschlägen in Paris unmittelbar betroffen gewesen war. Die Furcht vor Terror war bei dieser EM sehr groß. Das Turnier hatte in einer beklommenen Stimmung begonnen, nicht zuletzt durch die massiven Ausschreitungen von Hooligans, vor allem in Marseille. Und nun wurde Frankreichs älteste Stadt zu jenem Ort, von dem das Gefühl unbeschwerter Freude ausging, jedenfalls für diesen Abend. Noch spät in der Nacht spielten sich in der Stadt Jubelszenen ab. Die Menschen hatten nach Terror, Streiks und all den anderen betrüblichen Themen des Alltags einfach mal wieder Spaß. Und das nicht nur in Marseille.

Trainer Didier Deschamps sprach hinterher von einem emotionalen und historischen Erfolg. 58 Jahre lang hatte die französische Nationalmannschaft zuvor nicht gegen Deutschland in einem Pflichtspiel gewinnen können. Nun habe man »eine großartige Geschichte geschrieben«, befand Deschamps. Aber auch er verband den Überbau von Sport und Alltag miteinander. Deschamps sagte: »Wir können natürlich nicht alle Probleme der Franzosen lösen, aber wir können dafür sorgen, dass sie von einem Teil dieser Probleme abgelenkt werden.«

Mit einem Erfolg am Sonntag gegen Portugal würde diese Ablenkung noch ein bisschen länger anhalten. Für Deschamps wäre der Titelgewinn der erste als Nationaltrainer. Den Titel bei der WM 1998 in Frankreich hatte er noch als Spieler geholt, ebenso wie den EM-Titel 2000. Er weiß aber, wie knifflig die Aufgabe am Sonntag gegen die bisher so kompakt auftretende Mannschaft seines Trainerkollegen Fernando Santos werden dürfte. »Die Portugiesen glauben genauso an sich wie wir das tun«, sagte Deschamps. Es klang beinahe wie eine Warnung vor einer möglichen Enttäuschung.

Seine Hoffnungen und die der Franzosen ruhen nun ganz besonders auf Griezmann. Der Stürmer von Atlético Madrid hat trotz einer langen Saison samt verlorenem Champions-League-Finale im Lauf des Turniers wieder zu seiner Form gefunden. Mit sechs erzielten Toren ist er der überragende Spieler dieser EM. Die letzten beiden kamen gegen Deutschland hinzu. Unter anderem durch den verwandelten Handelfmeter, nachdem er im Champions-League-Finale gegen Real Madrid Ende Mai noch einen Strafstoß verschossen hatte. »Ich wollte unbedingt einen wichtigen Elfmeter schießen«, sagte Griezmann hinterher. »Er ist ein hervorragender Spieler, das hat er wieder unter Beweis gestellt«, lobte Deschamps auch wegen dieses Muts.

So gerät das Finale für Griezmann nun auch zu einem Spiel gegen die jüngere Vergangenheit. Die eigene Elfmetergeschichte ist schließlich erst zum Teil aufgearbeitet. Cristiano Ronaldo wird Portugal ja als Kapitän aufs Feld führen. Im Champions-League-Finale vor sechs Wochen hatte Ronaldo für Real den entscheidenden Elfmeter verwandelt und Atlético ging mit Griezmann leer aus. Am Sonntag wird es also auch ein Duell der zwei Individualisten: Ronaldo gegen Griezmann.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!