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Ganz ohne Brexit: London im Ausnahmezustand

Louise Welshs Roman »V5N6« ist eine eigenwillige Mischung aus Krimi und apokalyptischem Endzeitdrama

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Die Romane der 1965 in London geborenen Louise Welsh sind spannende, am städtischen Alltag entlang geschriebene Thriller - Gesellschaftskritik inklusive. In ihrem neuen Roman nimmt sie sich eines Themas an, das seit einigen Jahren in Film und Literatur eine gewisse Konjunktur erlebt: Es geht um eine Pandemie, die innerhalb kürzester Zeit die Menschheit auszulöschen droht. Der Titel des Buches »V5N6« erinnert an das H5N1-Virus, das vor einigen Jahren als Schreckgespenst für eine globale Pandemie-Bedrohung Schlagzeilen machte. Louise Welshs jetzt vorliegender Roman ist als erster von drei Teilen konzipiert.

Im Zentrum der überaus süffig geschriebenen 350 Seiten steht die taffe Stephanie Flint, genannt Stivi. Die junge Frau arbeitet in London bei einem Shoppingkanal und preist Parfüms, Schmuck und andere im Grunde überflüssige Waren an. Ihr Freund ist ein gutaussehender, Sportwagen fahrender Chirurg, der sie regelmäßig in teure Restaurants ausführt. Alles ändert sich schlagartig, als sie ihren Lover tot in seiner Wohnung findet. Ist Simon wirklich an einem Herzstillstand gestorben, hat er selbst Hand an sich gelegt oder ist er womöglich sogar gewaltsam zu Tode gekommen?

Während Stivi sich diese Fragen stellt, werden um sie herum plötzlich immer mehr Menschen und auch sie selbst krank. Nachdem sie mehrere Tage mit Fieber, Ausschlag und von Alpträumen gequält im Bett verbracht hat, geht es ihr besser. Aber als sie ihre Wohnung verlässt, hat sich London ziemlich verändert.

Denn der Virus, der sich eher langsam und unbemerkt in das Romangeschehen einschleicht, entfaltet plötzlich seine volle Wirkung. Egal ob am Arbeitsplatz oder auf der Straße: Überall begegnen Stivi vor sich hinsiechende Menschen und allerorten liegen Tote herum. London versinkt im Chaos: Einkaufsmeilen werden geplündert, Feuer werden gelegt, Bürgerwehren beginnen sich zu organisieren und ihre Wohnblocks abzuschotten, während das Militär Straßensperren errichtet. Mittendrin fährt die mittlerweile gegen das sogenannte »Schwitz-Fieber« immune Stivi Flint quer durch Stadt und versucht herauszufinden, was es mit dem Tod ihres Ex-Lovers auf sich hat.

Louise Welsh inszeniert London im Ausnahmezustand sehr geschickt. Es sind nicht die großen, überzeichneten Bilder, sondern die Details, die überzeugen und unter die Haut gehen - etwa wenn ein herrenloser Hund durch die immer leerer werdende abendliche Stadt panisch eine Hauptstraße entlangrennt und die Fassaden immer mehr verrammelt werden. Wobei sie auch durchaus ein Händchen für die dramaturgische Eskalation ihres Endzeitdramas besitzt. Louise Welsh schildert den Ausnahmezustand vor allem anhand der Psychologie ihrer ziemlich mutigen Heldin, die zwar nicht in Panik gerät, aber im Lauf der Zeit dann doch Angst bekommt.

»V5N6« ist eine eigenwillige Mischung aus Krimi und apokalyptischem Endzeitdrama. Louise Welsh weiß ihre Leser bei Stange zu halten. Stivi Flint, die einmal Journalistin war, tastet sich bei ihrer Recherche Stück für Stück weiter und kommt immer mehr voran in einem skurrilen Fall um gefälschte medizinische Forschungsberichte, eine ehemalige Clique reicher Jungs, die eine Privatschule besuchten und der Spielsucht ihres Ex-Freundes, der, wie sich herausstellt, gar nicht so ein netter Sunnyboy war. Auch wenn Stivi mit viel Biss am Ende des Romans diesen eigenwilligen Fall löst und über das Schicksal ihrer ehemaligen Liebe Bescheid weiß, hat sich doch an dem Umstand, dass der Killervirus weltweit tobt und die Menschheit unterzugehen droht, nichts verändert. Man darf also gespannt sein auf die noch folgenden Fortsetzungen dieser apokalyptischen Romantrilogie.

Louise Welsh: V5N6. Tödliches Fieber. Roman. Aus dem Englischen von Wolfgang Müller. Verlag Antje Kunstmann. 352 S., geb., 19,95 €.

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