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Schweizer im Tourfieber

Die Tour de France hat in Bern Station gemacht, der Heimatstadt Fabian Cancellaras

  • Von Tom Mustroph, Bern
  • Lesedauer: 3 Min.

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Peter Sagan hat die 18. Etappe der Frankreich-Rundfahrt gewonnen. Der Slowake erstickte damit die Hoffnungen der Schweizer Radsportfans auf einen Heimsieg eines ihrer Idole.

Die Tour de France kommt in die Schweiz - und die Freude darauf ist groß. Zwar beeinträchtigen Straßensperrungen den Alltag der Berner, aber das stecken sie weg. Ganz in gelb ist die Stadt geflaggt, die vor allem von ihrem prominentesten Sohn im Radsportbusiness, Fabian Cancellara, so einiges erwartete.

Der Oldie, auf seiner letzten Tour unterwegs, hatte vorab aber schon die Erwartungen gedämpft. »Wir haben mit Bauke Mollema den Zweitplatzierten im Klassement. Den müssen wir schützen, mit aller Kraft.« Ein leises »leider« entschlüpfte dabei den Lippen des 35-Jährigen, der von seinen Bewunderern auch »Spartakus« genannt wird. Cancellara behielt Recht, denn Weltmeister Peter Sagan gewann den Massensprint, in dem der Berner chancenlos blieb.

Der Einzug der Tour in Bern geht nicht nur mit dem Abschied des heimischen Olympiasiegers und vierfachen Weltmeisters im Zeitfahren einher. Auch der einzige Schweizer Pro-Tour-Rennstall IAM zieht sich Ende des Jahres zurück. IAM-Eigner Michel Thetaz wollte nicht einmal nach den großen Triumphen seiner Profis in dieser Saison einen Rückzieher vom Rückzieher machen. Beim Giro d’Italia hatte der Berliner Roger Kluge eine Etappe für die Schweizer gewonnen. Bei der Tour de France zog am Sonntag der Kolumbianer Jarlinson Pantano nach.

»Das sind schöne Erfolge. Und endlich ist es uns auch gelungen, unsere Diamanten zum Glänzen zu bringen«, spielte Thetaz auf das von ihm ausgegebene Motto »Rohdiamanten finden, schleifen und polieren« an. Er blieb aber auch realistisch. »Uns fehlt ein Co-Sponsor für etwa drei, vier Millionen Euro. Ich möchte nicht mit einem mittelmäßigen Team weitermachen«, sagte er gegenüber »nd«.

Thetaz nutzte die gelungene Generalprobe vor dem Tour-Besuch in der Schweiz zu einem emotionalen Rückblick. »Wir haben vier tolle Jahre gehabt. Als ich 2012 auf der Pressekonferenz bei der Tour de Romandie die Idee vorgestellt habe, einen Schweizer Rennstall aufzubauen, haben alle nur gelacht und gefragt wie das gehen soll, ohne Profis, ohne Infrastruktur, ohne Erfahrung. 2013 waren wir am Start und sind kontinuierlich gewachsen«, sagte er.

Bei den Schweizer IAM-Profis hinterlässt der Ausstieg des Sponsors nicht nur solche frohen und stolzen Emotionen. Sie bangen um den Fortgang ihrer Karriere. »Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Ich habe bislang keine Angebote«, sagte der frühere Schweizer Meister Martin Elmiger, der bei dieser Tour in Fluchtgruppen auf sich aufmerksam machte. Gleiches gilt für seinen Landsmann Reto Hollenstein. »Bei anderen sieht es sicher besser aus«, spielte Hollenstein etwa auf den Teamkollegen Pantano an, bei dem nach dem Tour-Etappensieg noch weitere Offerten eingegangen sein dürften. »Bei mir sieht es aber düster aus«, so Hollenstein.

Um die Zukunft des Schweizer Radsports ist den Schweizer Profis trotz individuell nicht allerbester Aussichten aber nicht bange. »Michael Albasini ist ein ähnlich starker Fahrer wie Cancellara, er hat nur nicht ganz die Erfolge«, meint Hollenstein. Im Noch-Teamkollegen Mathias Frank, der wegen einer Erkältung die Tour aufgeben musste, und den beiden BMC-Talenten Stefan Küng und Sylvain Dillier sieht er vielversprechende Protagonisten für die nächsten Jahre. »Für übernächstes Jahr gibt es auch Signale für einen neuen Schweizer Rennstall«, wirft Elmiger ein. Es gibt einen Schweizer Radsport nach Cancellara.

Rosa - Dietz-Verlag

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