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Misstöne in der HafenCity

Serverprobleme, Ticket-Schwarzhandel - die Eröffnung der Elbphilharmonie rückt näher

  • Von Folke Havekost, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.
7,2 Millionen Euro wird die umstrittene Hamburger Elbphilharmonie an jährlichen Zuschüssen brauchen, am 11. Januar 2017 soll sie eröffnet werden. Bei den ersten Ticketvergaben gab es Probleme.

Wenn ein Störtebeker gesichtet wird, dann haben viele Hamburger schnell Schaum vorm Mund. Das war im 14. Jahrhundert unter der Kaufmannschaft so, weil der legendäre Pirat mit seinen Kaperfahrten die Handelwege der Hanse störte. Das wird - in gewisser Weise - auch Ende dieses Jahres wieder so sein, wenn Besucher der Elbphilharmonie-Plaza sich ein Bier bestellen: Die Stralsunder Braumanufaktur Störtebeker übernimmt die Getränkeversorgung im öffentlichen Bereich von Hamburgs umstrittenstem Bauwerk.

Der Aufruf der neuen Störtebekers, es seien noch 110 Jobs - catern, nicht kapern! - zu vergeben, ist die jüngste Wasserstandsmeldung zur Elbphilharmonie. 2001 ersonnen und seit 2007 erbaut, nimmt die »Elphi« langsam wirklich konkrete Züge an. Die Glasverkleidung auf dem alten Kaispeichermauern prägt schon länger das Hafenbild, inzwischen ist auch der Große Konzertsaal weitgehend fertig. Im Oktober will die Baufirma Hochtief das Gebäude aus Glas und Stahl an die Stadt übergeben, im November soll die Plaza für Besucher zugänglich sein. Dann wird auch der »Störtebeker Shop« zur Bierverkostung einladen. Nicht, dass damit schon ruhiges Fahrwasser erreicht wäre: Bei der mehrstufigen Verlosung von Freikarten fürs Eröffnungskonzert am 11. Januar 2017 sowie von Karten für weitere Veranstaltungen traten immer wieder Serverprobleme auf. Manch Glücklichem, der ein Ticket ergatterte, schien zudem weniger am Auftritt der Musiker gelegen zu sein: Auf einschlägigen Internet-Auktionsportalen werden Karten mittlerweile für 800 Euro gehandelt. Es ist ein wenig so wie bei dem kleinen Anteil zwecks sozialer Vermischung vergünstigt angebotener Wohnungen in der umliegenden HafenCity: Etliche davon wurden - zumeist mit beträchtlichem Gewinn - an wohlhabende Käufer abgegeben.

Der LINKEN-Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch fürchtet, die Elbphilharmonie werde zu einem exklusiven »Ort der Selbstvergewisserung der Kultureliten«. Im Frühjahr bewilligte die Bürgerschaft jährliche Zuschüsse von 7,2 Millionen Euro, und manch Beobachter wusste nicht recht, ob dies nun viel oder wenig Geld sei - gemessen daran, dass der Bau die Steuerzahler 789 statt der ursprünglich veranschlagten 77 Millionen Euro gekostet hat. Allerdings bemüht sich der städtische Betreiber HamburgMusik, das Angebot niedrigschwellig zu halten: Je nach Veranstaltung kosten die günstigsten Tickets zwischen 10 und 20 Euro.

»Wir wollen erreichen, dass jedes Kind dieser Stadt mindestens einmal während seiner Schulzeit in diesem Gebäude gewesen ist«, proklamiert Bürgermeister Olaf Scholz, nach dessen Verhandlungen mit Hochtief im Sommer 2013 bisher alle Vereinbarungen eingehalten wurden. Nur der Plan, den Repräsentativbau eine Woche nach der musikalischen Eröffnung im Januar 2017 für die Hamburger Olympiabewerbung 2024 zu nutzen, musste nach dem verlorenen Referendum aufgegeben werden.

Musikalisch gibt es noch die wenigsten Misstöne: Die Sinfoniker vom NDR Elbphilharmonie Orchester spielten Anfang Juli bereits zwei Open-Air-Konzerte in der HafenCity, in Sichtweite ihrer späteren Heimstatt. Das Hintergrundgeräusch von Möwen und Schiffsmotoren bot einen wirkungsvollen Kontrast zur angestrebten Klangoptimierung im 25 Meter hohen Großen Konzertsaal: Durch die »weiße Haut« des Akustikers Yasuhisa Toyota - 10 000 unterschiedliche Gipsfaserplatten als Wandverkleidung - sollen die Schallwellen im 2150 Besucher fassenden Saal optimal gebrochen werden.

Zehn Tage nach dem Eröffnungskonzert der Elbphilharmoniker soll übrigens die Band »Einstürzende Neubauten« im neuen Haus spielen. Man sieht: Die knapp zehn Jahre Wartezeit seit Baubeginn haben einigen Freiraum für Ironie geschaffen.

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