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»Mut zahlt sich aus«

Romain Bardet erlöste bei der Tour die Franzosen

Zweiter Platz in Paris - ein Traum, Pflichterfüllung oder Glück für Sie?

Das Podium war unvorstellbar für mich. Mir fällt es immer noch schwer, das zu realisieren. Alles ist sehr schnell nach meinem Etappensieg geschehen. Andererseits kenne ich das Gefühl, auf dem Podium in Paris zu stehen. 2014 stellten wir die beste Mannschaft. Im letzten Jahr wurde ich als aktivster Fahrer geehrt.

Was war Ihr schönster Moment bei dieser Tour?

Ganz klar die letzten 25 Kilometer der Etappe am vergangenen Freitag. Mein Teamkollege Mikael Cherel kam zu mir und sagte: »Die Etappe entscheidet sich im Tal vor dem letzten Anstieg. Lass uns einfach in der Abfahrt voll draufgehen.« Ich habe ihm vertraut und mich von ihm führen lassen. Das war für mich emotionaler als dann im Ziel nach dem Sieg die Arme zu heben.

Sie waren einer der ganz wenigen, der bei dieser Tour sein Glück mit einer Attacke versucht hat. Woran liegt das?

Zwischen dem Zweitplatzierten und dem Fünften waren die Abstände sehr gering. Man kann da abwarten und hoffen, dass die Fahrer vor einem Schwierigkeiten haben. Ich glaube aber, dass sich in den Schlüsseletappen Mut auszahlt. Das entspricht auch mehr meiner Art, Rennen zu fahren.

Binnen eines Monats sind Sie zweimal Zweiter hinter Chris Froome geworden, erst bei der Dauphiné, nun, wenn nichts mehr dazwischen kommt, bei der Tour. Eröffnen Ihnen die Platzierungen neue Perspektiven?

Eigentlich nicht. Bei der Dauphiné habe ich sogar auf mehr gehofft. Jetzt bin ich überzeugt, dass wir da das Rennen noch hätten umdrehen können. Bei der Tour hingegen ist der zweite Platz das maximal Mögliche. Ich hatte schon vier Minuten Rückstand auf Froome. Sein Team tritt hier total dominant auf. Wenn am Berg 25 Fahrer vorn sind, dann stellt Sky fünf davon. Was soll man da machen? Ich kann doch nicht einfach schon im Flachen attackieren. Sie sind ein beeindruckendes Kollektiv. Und, ja, sie zerstören die Ambitionen ganz vieler Leute, die eigentlich angreifen wollen.

Wie schätzen Sie den Stand des französischen Radsports ein?

Das ist paradox, ich bin ja zum Teil auch nur Beobachter. Ich hatte etwas mehr bei dieser Tour erwartet, aber sie ist auch von Zufällen geprägt. Ich glaube, der französische Radsport ist besser, als es die Ergebnisse dieser Tour aussagen. Wir sind zwar noch weit weg von den besten Zeiten, aber wir entwickeln uns. Ich würde sagen, wir werden zu Außenseitern, die man ernst nehmen muss.

Aufgezeichnet von Tom Mustroph

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