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Klagen gegen das Lollapalooza vorbereitet

Genehmigung des Festivals im Treptower Park steht weiter aus / Bürgerinitiative ist für juristische Schritte gewappnet

Bereits in fünf Wochen soll das Musikfestival »Lollapalooza« im Treptower Park stattfinden. Noch immer gibt es keine Genehmigung und noch immer protestieren Anwohnerinnen und Anwohner. Wenn sie könnten, würden sie gegen das Großkonzert klagen. Laut Sprecherinnen der Bürgerinitiative sind bereits mehrere Klagen von Einzelpersonen durch einen Anwalt vorbereitet worden. Die potenziellen Klägerinnen und Kläger argumentieren, dass das Festival für die oftmals pflegebedürftigen Anwohnerinnen und Anwohner gesundheitlich nicht vertretbar sei. Diese Befürchtungen werden auch von ärztlichen Gutachten gestützt, heißt es seitens der Initiative.

Doch ohne Genehmigung keine Klage. Denn dafür fehlt die Rechtsgrundlage. Dass diese kurz vor Veranstaltungstermin noch immer aussteht, ist für die Aktivistinnen und Aktivisten der Hinhaltetaktik des Bezirks zuzuschreiben. Bezirksverordneter René Pönitz (Piraten) stellte nun dem Bezirksamt die Frage, ob dadurch eine juristische Überprüfung der Interessen von Anwohnerinnen und Anwohnern erschwert werde. Die knappe Antwort des Bezirksstadtrats Rainer Hölmer (SPD) auf die Schriftliche Anfrage, die dem »nd« vorliegt, lautet: »Nein.«

»Eine Klage ist die Ultima Ratio. Ein kommerzielles Massenfestival im Treptower Park muss unbedingt verhindert werden«, sagt Katalin Gennburg, Direktkandidatin der LINKEN im Bezirk, die sich für das Anliegen der Initiative einsetzt. Gennburg kritisiert auch die kommerzielle Nutzung und Teilprivatisierung öffentlicher Grünflächen.

Die Anwohnerinnen und Anwohner befürchten außerdem die Zerstörung der Grünflächen, ausgerechnet nachdem die millionenteure Sanierung der Grünanlage gerade erst beendet worden ist. Nach Angaben des Veranstalters sollen täglich bis zu 70.000 Gäste das Lollapalooza besuchen, Tickets werden schon seit Monaten verkauft. Solche Menschenmassen an nur einem Wochenende bedeute »nicht nur zwei Tage Lärm und Schmutz für die Anwohner, es hat auch langfristige Schäden für die Flora und Fauna des Parks zufolge«, sagt Sigrid Schubert, Aktivistin und Gründerin des Figurentheaters Grashüpfer, das im Treptower Park liegt.

Die Veranstalter versprechen, für alle Schäden an den Grünflächen aufzukommen und Naturschutzgebiete im Park sowie das sowjetische Ehrenmal durch Zäune und Sicherheitspersonal zu schützen. Doch genau wie die Genehmigung steht auch das Sicherheitskonzept für die Großveranstaltung noch aus. Anwohnerinnen und Anwohner haben vom Veranstalter inzwischen das Angebot erhalten, für die Zeit des Festivals in ein Hotel in der Hermannstraße in Neukölln zu ziehen.

Doch damit sind die meisten nicht einverstanden, ihnen geht es ums Prinzip. »Der Treptower Park ist einfach nicht der richtige Ort für ein kommerzielles Rockkonzert«, sagt Schubert. Der Protest habe sich nie gegen das Festival gerichtet, sondern lediglich gegen den Ort.

Die Veranstalter machen sich nun genau diesen Ort zu eigen, indem sie den Park als »Grünen Kiez« zum Teil ihres Festivals machen und ihn als »grüne Seele des Lollapalooza« ankündigen. In einer Pressemitteilung nennt die Veranstaltungsleiterin Fruzsina Szép den Grünen Kiez »das Herzstück des Festivals im Treptower Park«.

Im »Grünen Kiez« soll es eine Erlebniswelt zum Thema Klimawandel geben, in der auch eine Ausstellung über die Flora und Fauna des Treptower Parks geplant ist. Doch auch diese vermeintliche Umweltstation wird zu Werbezwecken genutzt: In der Erlebniswelt gibt es auch die Station »Print Your LollaShirt«, bei der das eigene T-Shirts bedruckt und in eine Festivalerinnerung verwandelt werden kann.

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