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Von unappetitlich bis toxisch

Was macht das Spülmaschinensalz auf der Brezel? Lebensmittelkontrolleure im Einsatz

  • Von Doreen Fiedler, Mainz
  • Lesedauer: 3 Min.
44 500 Mal schauten die Lebensmittelkontrolleure in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr in Töpfe und Kühlschränke. Sie entdeckten allerlei Unappetitliches.

Detektivisch zählen die rheinland-pfälzischen Lebensmittelkontrolleure ihre Funde auf: Schimmel im Tetrapak mit Orangensaft, Spülmaschinensalz auf der Brezel, Übelkeit verursachender Bacillus cereus in einem Steak mit Nudelauflauf. 39 Mal fanden sie im vergangenen Jahr gesundheitsschädliche Lebensmittel. Ernährungsministerin Ulrike Höfken beeilt sich bei der Vorstellung der Jahresbilanz Lebensmittelüberwachung zu versichern: »Es gab keine Skandale.«

Damit das möglichst so bleibt, schwärmen die Kontrolleure des Landesuntersuchungsamtes (LUA) im ganzen Land aus. 44 500 Proben wurden im vergangenen Jahr genommen, untersucht, bewertet. Dabei, das ist der Grünen Höfken wichtig, müsse nicht überall komplett steril produziert werden. »Wir wollen nicht alles keimfrei haben und den Genuss hintenan stellen, und hinterher ist nichts mehr möglich an normalem Verzehr und Herstellung von Lebensmitteln«, sagt sie.

Tatsächlich waren im vergangenen Jahr nur 0,19 Prozent der Proben gesundheitsschädlich. Aber immerhin 11,3 Prozent - also jede neunte Probe - wurde beanstandet. Besonders häufig trifft das auf Süßwaren zu, für deren Zubereitung zum Beispiel falscher Honig verwendet wird. An zweiter Stelle folgen Fertiggerichte. Häufig gäben asiatische Imbissläden nicht an, dass sie Glutamat verwenden, sagt Gabriele Luhofer, stellvertretende Leiterin des LUA.

»Der Großteil der Beanstandungen ist unspektakulär«, erklärt Luhofer weiter. Oft gehe es um falsche Etiketten. So weisen die Kontrolleure oft Vitamin C in Apfelsäften nach, ohne dass dies bei den Zutaten aufgelistet ist. »Oder umgekehrt, es steht Vitamin C drauf, ist aber nicht in ausreichender Menge vorhanden«, so Luhofer. Ab und an ordnet das Untersuchungsamt an, dass Betriebe schließen müssen - manche nur einen Tag, um richtig durchzuputzen, andere länger. Wenn ein Restaurant ein Schild an die Tür hänge »wegen eines Trauerfalls geschlossen«, dann könne das auch etwas anderes sein, sagt Wilfried Ebling vom Ministerium. Aber grundsätzlich seien Betriebsschließungen Ausnahmefälle. Wenn so ein Schild mehrmals draußen hänge, »dann kann man davon ausgehen, dass der Inhaber eine neue Ehe eingegangen ist und deswegen das mit der Oma stimmt«.

Bei ihrer Arbeit gingen die 129 Lebensmittel- und 23 Weinkontrolleure besonders dorthin, wo sie gerne einmal etwas finden, sagt Ebling. »In einem Geschäft, das nur abgepackte Waren verkauft oder nur Getränke, ist natürlich das Risiko viel geringer als bei einem Sahnetortenhersteller.« Unter den oft als gesundheitsschädlich eingestuften Lebensmitteln ist Rohmilchkäse, in dem sich Coli-Bakterien tummelten. Und Thunfisch mit dem toxischen Eiweißabbauprodukt Histamin.

Die Ministerin gibt Verbrauchern noch einen Rat mit auf den Weg. Nicht alles, was hygienisch aussieht, ist es auch, sagt sie. Ein gewaschener, zerkleinerter und verpackter Salat biete den Keimen viel mehr Angriffsflächen als ein ganzer Salatkopf. »Insofern ist manchmal ein Salat mit ein bisschen Erde wesentlich unproblematischer als einer in einem proper aussehenden Plastikschälchen.« Allerdings, schiebt sie noch hinterher, müsse der Salatkopf natürlich Zuhause gewaschen werden. »Sonst knirscht es.« dpa/nd

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