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Die toten Augen von Aleppo

In der syrischen Stadt wird gehungert und gestorben – neue Verhandlungen sind dringlich

  • Von Karin Leukefeld, Damaskus
  • Lesedauer: 3 Min.

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Trotz anhaltender Kämpfe um Aleppo plant der UN-Beauftragte für Syrien, Staffan De Mistura, die Fortsetzung der innersyrischen Gespräche Ende August in Genf. Das bestätigte eine Sprecherin am Dienstag in Genf.

Unterstützung erhielt De Mistura vom russischen Botschafter bei den Vereinten Nationen, Vitali Tschurkin. Nach einer nicht-öffentlichen Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York warnte er davor, ein Ende der Kämpfe bei Aleppo zur Vorbedingung weiterer Gespräche in Genf zu machen. «Je weniger Gewalt, desto besser ist es für die Gespräche … Aber es darf keine Vorbedingungen geben.» Tschurkin rief die Staaten, die Einfluss auf die syrischen Oppositionskräfte hätten, auf, diese auf zukünftige Gespräche vorzubereiten. «Bisher haben sie bei den Gesprächen nichts gesagt, außer ›Assad muss gehen‹. Das sei »keine Verhandlungsposition«, erklärte der russische UN-Diplomat.

Zuletzt hatte der oberste Diplomat Deutschlands, Frank-Walter Steinmeier, in einem Interview mit »Bild« die Position der syrischen Opposition bekräftigt. »Die politische Zukunft des Landes wird und muss ohne Assad stattfinden«, sagte der deutsche Außenminister mit Blick auf den syrischen Präsidenten und sprach angesichts der Situation in Aleppo von »grausamen Bildern«.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in Aleppo noch rund zwei Millionen Menschen. Die überwiegende Mehrheit - 1,2 Millionen - lebt in dem von der Regierung kontrollierten Teil der Stadt und teilt wohl kaum die Meinung des deutschen Außenministers. Noch vor Kurzem hatte Bischof Georges Abou Khazen aus Aleppo im nd-Gespräch erklärt, Baschar al-Assad habe »als Präsident, als Regierung … die Pflicht, die Menschen zu verteidigen. Das ist, was er tut.« Die Menschen (nicht nur) in Aleppo wollten einen »moderaten, laizistischen Staat, in dem zwei Dutzend verschiedene religiöse und ethnische Gruppen friedlich zusammenlebten. Diesen Staat, dieses Syrien, diese Werte wollen wir erhalten und das ist es, was er auch will.«

Täglich gibt es Meldungen über getötete und verletzte Zivilisten in Aleppo. Am Dienstag wurde eine fünfköpfige Familie verletzt, als ihr Haus in Al Hamadamiyeh von Mörsergranaten der Kampfgruppen zerstört wurde. Am Wochenende waren zwei Frauen und ein Mädchen im selben Stadtteil durch Raketenbeschuss ums Leben gekommen.

Nach Angaben der syrischen Nachrichtenagentur SANA lieferte die staatliche Gesellschaft für Weizenproduktion und Handel am Dienstag 500 Tonnen Weizen nach Aleppo. Diesel, Benzin, medizinische Hilfsgüter und Obst hatten bereits am Montag die umkämpfte Metropole erreicht. Da Knappheit Korruption fördert, kündigte der Gouverneur von Aleppo, Mohammad Marwan Olabi, an, dass die Verteilung von Diesel und Benzin an alle Tankstellen scharf kontrolliert werde. Unregelmäßigkeiten würden schwer bestraft.

Die UN haben erneut eine wöchentliche 48-stündige Waffenpause für Aleppo gefordert, um die von den Kämpfen zerstörte Wasserversorgung der Stadt zu reparieren und Hilfsgüter zu den Menschen zu bringen, die sie am dringendsten benötigten. Tschurkin sagte, Russland unterstütze eine solche Waffenruhe, die aber »nicht für Terroristen gelten« könne. In Genf bespreche man bereits »ganz praktisch«, wie humanitäre Hilfe geleistet werden könne.

Um auch den Zivilisten in den von den Regierungstruppen eingekreisten Gebieten unter Kontrolle bewaffneter Gruppen (Ost-Aleppo) zu helfen, hatte Russland bereits am vergangenen Wochenende den USA, der Europäischen Union und asiatischen Staaten angeboten, mit Russland und Syrien durch die eingerichteten humanitären Korridore zu operieren. China und Serbien haben ihre Hilfe bereits zugesagt. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin gibt es diesbezüglich noch keine Stellungnahme.

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