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Immer Ärger mit den Drogen

Warum dem Medienmagazin »Zapp« eine kritische Berichtertstattung über Vice.com misslingt

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit dem Onlinemagazin Vice.com verhält es sich wie mit den beiden Pro7-Berufsjugendlichen Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt: Genialität, Haltung und Peinlichkeit liegen meist nur einen Witz voneinander entfernt. Eine Mixtur aus Spaßgesellschaft, Galileo-Partywissen (auch so ein Pro7-Format) und YPS-Heft. Letzteres ist durchaus als Lob zu verstehen, stand das französische Vorbild des Comic-Magazins Pif Gadget doch den französischen Kommunisten nahe. Vice bedient sich einer U-Boot-Strategie: Unter all dem Gaga-Journalismus mit Titeln wie »Wir haben Teenager von heute mit den größten Emo-Hits der 00er konfrontiert« mischt die Redaktion klare Positionen unter Hintergründiges zu Menschenrechten, Flüchtlingen oder die Forderung nach einer liberaleren Drogenpolitik.

Dass die Journalisten dabei zu weit gehen, ist Tenor eines Beitrages beim Medienmagazin Zapp. In der Sendung vom vergangenen Mittwoch warnt als Kronzeuge für die NDR-Journalistin Sabine Schaper der Suchtexperte Rainer Thomasius, Vice würde durch die »jugendtypische Darstellung mit Emotionalität und Identifikationsflächen« Anreize zum Drogenkonsum bieten und senke »die Hemmschwelle, Drogen kritisch zu betrachten«. Zapp hat sich mit der Wahl des Experten jedoch keinen Gefallen getan. Thomasius gibt in der Debatte um die Liberalisierung der Drogenpolitik den konservativen Hardliner. Selbst einer Legalisierung von Cannabis steht er skeptisch gegenüber.

taz.de zitierte bereits 2013 in einem Blogbeitrag Thomasius’ Haltung zu Cannabis: »Die Einstiegsdrogentheorie ist zwar nicht belegt. Aber widerlegt ist sie auch nicht.« Von Prohibitionisten mag er damit Beifall bekommen, ob er aber als Kronzeuge für den Stand der gesellschaftlichen wie wissenschaftlichen Debatte geeignet ist, darf bezweifelt werden.

In Kommentaren zur Sendung auf Facebook und NDR.de werfen Zuschauer Zapp nun vor, die These eines zu leichtfertigen Umgangs von Vice mit dem Thema Drogen ausgerechnet von einem Vertreter bewerten zu lassen, der für das exakte Gegenteil steht. Nun ist Polarisierung zwar ein probates Mittel der medialen Inszenierung, würgt im vorliegenden Fall aber die eigentliche Debatte ab, ob Texte wie »So schmecken Magic Mushrooms richtig gut« journalistischen Standards entsprechen. Zapp-Autorin Schaper räumt aber ein, dass es sehr wohl Texte bei Vice gibt, die auch negative Erfahrungen aufgreifen.

Was der Debattenkultur kaum zuträglich sein dürfte, sind Ermittlungen der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB), die als Folge der Zapp-Recherche angelaufen sind, inwieweit Vice möglicherweise gegen den Jugendmedienschutzstaatsvertrag verstößt. Das Onlinemagazin vertraut in einer Stellungnahme, ganz dem liberalen Geist entsprechend, auf das aufgeklärte urbane Publikum als Zielgruppe: »Wir sind überzeugt, unsere Leser und User sind reflektiert und ordnen unsere Berichterstattung ein. Sie werden nicht alles nachmachen, nur weil sie darüber lesen.«

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