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Der Gruppenzwang

Die TV-Serie »Legends Of Tomorrow«

Der Musikmanager Lou Pearlman ist letzte Woche im Gefängnis verstorben, doch das Vermächtnis des Erfinders des Prinzips »Boygroup« (Backstreet Boys etc.) lebt weiter - wenn auch weniger in den Musikcharts als auf der Leinwand und der Mattscheibe: So reicht (als jüngstes Beispiel) der aktuellen Pro-7-Serie »Legends Of Tomorrow« ein Superheld längst nicht mehr aus - gleich acht besonders begabte Kämpfer müssen aufgeboten werden.

Einen Startschuss für die Entwicklung zum Gruppenzwang im Sci-Fi-Film gab wohl Regisseur Bryan Singer im Jahr 2000 mit seiner damals originellen Comic-Umsetzung »X-Men«: Hier folgte man keinem Einzelcharakter mehr sondern ganzen Gruppen von guten und bösen Mutanten. Jüngere Beispiele für das Prinzip, Ideenmangel durch Personalzuwachs »auszugleichen«, sind die mit neuester Technik und teils viel Starpower ausgestatteten Megaproduktionen »Avengers«, »Suicide Squad«, »Batman v Superman: Dawn of Justice« (Gerechtigkeitsliga), »Fantastic Four«, »Guardians Of The Galaxy« oder auch »Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen«. Ein Film der positiv aus der Liste herausfällt, obwohl auch er das Casting-Band-Prinzip nutzt, es aber auf zynische Weise bricht, ist »Watchmen« von Zack Snyder.

Die »Legends Of Tomorrow« bestehen aus Personal der zweiten oder dritten Garnitur des DC Comicverlags. Kein Mensch außer echten DC-Aficionados kennt die Figuren Firestorm, The Atom, White Canary, Hawkgirl, Hawkman, Heat Wave, Chronos oder Captain Cold. Dementsprechend lassen einen auch die Rückblenden in die Biografien der vielen Protagonisten ziemlich kalt und sie locken von der Haupthandlung weg: Um die Welt vor ihrem fast sicheren Untergang zu bewahren, reist der »Time-Master« Rip Hunter (Arthur Darvill) aus dem Jahr 2166 zurück ins Jahr 2016, um ein Team zusammenzustellen, das den unsterblichen Megabösewicht Vandal Savage daran hindern soll, die Welt oder gar die Zeit selbst zu zerstören.

Die Serie beginnt mit einem gerafften, flott zusammengeschnittenen Casting-Prozess, wie er auch in zahlreichen anderen Superhelden-Gruppen-Filmen zu sehen ist: In parallelen Schnitten sieht man einerseits das Aufspüren der gesuchten Superhelden. Andererseits wird diese Jagd einem Dialog zwischen mächtigen Personen gegenübergestellt, in dem sich Verschwörer raunend über den geheimen Aufbau eben jener Supergruppe verständigen. Im Prozess der Blitzeinführung des umfangreichen Hauptpersonals muss jeweils ein flacher One-Liner pro Held ausreichen, um die jeweilige Figur zu »charakterisieren«.

Wie in vielen anderen Superheldenfilmen klingt auch hier die Debatte über Gewaltmonopol und Bürgerwehr an, die dann zum Ergebnis kommt, dass der dynamische Lynchmob aus Superhelden dem trägen gemeinschaftlichen Gewaltmonopol vorzuziehen ist. Der Rest der Dialoge erschöpft sich in schockierend altbackenem Buddy-Humor, pseudo-taffem Amazonen-Jargon und allerlei küchenphilosophischem Mumpitz rund ums Thema »Zeitreisen«.

Zu den schauspielerischen Leistungen kann man nicht viel sagen, da in dem Helden-Oktett keiner je richtig zum Spielen kommt, es kein einziges erzählerisches Zentrum gibt. Auch die Schauspieler Dominic Purcell und Wentworth Miller - das Team, das in der fiebrigen Ausbrecher- und Flucht-Geschichte »Prison Break« so gut unterhalten hat - gerät hier zur flachen Karikatur. Nun kann man zu Recht einwenden, dass man sich Comicverfilmungen nicht (nur) wegen der Charakterdarstellungen ansieht. Eher berauschen sie, wenn sie gut sind, durch wahnsinnige Action und kunstvolle Fantasiewelten. Der Anfang von »Legends Of Tomorrow« jedoch setzt den Zuschauer auch in dieser Beziehung voll auf kalten Entzug.

Die Serie läuft auf Pro 7

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