Werbung

Der Metallbearbeiter aus Syrien

Noch haben die meisten Flüchtlinge keinen regulären Job / Insgesamt 2,7 Millionen Arbeitslose in Deutschland

  • Von Roland Bunzenthal
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Achmed Salem ist gelernter Schlosser. Der 28-jährige Syrer war vor einem Jahr nach Deutschland gekommen, hatte drei Monate lang Däumchen gedreht, danach Deutsch gelernt, so dass er sich bereits etwas unterhalten kann. Der Metallbearbeiter, wie sein Metier inzwischen heißt, hat vor kurzem eine Stelle gefunden. Er gehört damit zu den bislang 20 000 neu eingestellten Flüchtlingen. Dagegen sind 346 000 derzeit als arbeitsuchend und 150 000 als arbeitslos gemeldet.

»Es dauert lange und kostet viel Geld«, sagte Frank-Jürgen Weise, Chef sowohl der Bundesagentur für Arbeit (BA) als auch des Migrationsamtes, als er bei der Vorstellung der aktuellen Arbeitslosenzahlen nach den Chancen einer erfolgreichen Integration gefragt wurde. Die 300 000 Flüchtlinge, die im Laufe des Jahres erwartet werden, könne der Arbeitsmarkt »verkraften«, ist Weise überzeugt. Er verneint das Risiko einer Verdrängungskonkurrenz auf den unteren Ebenen des Arbeitsmarktes: »Der Hartz-IV-Arbeitslose braucht keine Angst zu haben. Flüchtlinge seien die Fachkräfte von Übermorgen«, betont Weise mit Verweis auf den langen Atem, den eine Integration erfordert. Die BA rechnet damit, dass in fünf Jahren etwa die Hälfte der Migranten in Lohn und Brot steht. Haupthürde seien nach wie vor die mangelhaften Deutschkenntnisse, »unterhalb des Sprachniveaus B2 läuft nichts«.

Einige Flüchtlinge mit relativ guten Sprachkenntnissen haben die Arbeitsagenturen inzwischen bei sich selbst eingestellt. Die große Vielfalt an Nationalitäten macht muttersprachliche Sachbearbeiter notwendig. Je mehr das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Anträge abarbeitet, schafft diese Nürnberger Behörde zusätzliche Arbeit für die BA. Bei Bundesbehörden haben indes erst fünf Flüchtlinge eine Stelle gefunden.

Obwohl an diesem Donnerstag das neue Ausbildungsjahr beginnt, suchen manche Unternehmen noch händeringend nach geeigneten Azubis. Nur vereinzelt sind unter den erfolgreichen Bewerbern auch junge Flüchtlinge. Noch sei diese Gruppe zu klein und deshalb nicht statistisch erfasst, heißt es bei der Handwerkskammer Rhein-Main. 1500 freie Lehrplätze seien in der Region noch unbesetzt, ebenso viele wie im Vorjahr. Unter den erfolgreichen Bewerbern befänden sich auch einige junge Flüchtlinge, die meisten in dieser Altersklasse seien jedoch noch in Berufsorientierungskursen. Die Wirtschaft, so die Kammersprecherin, sei insgesamt aufgeschlossen gegenüber den jungen Flüchtlingen.

Seit Juni werden alle Migranten mit deutscher Gründlichkeit statistisch erfasst, gezählt und kategorisiert: Arbeitsuchende Flüchtlinge sind demnach überwiegend männlich (76 Prozent) und zu einem großen Teil jünger als 30 Jahre (47 Prozent). 26 Prozent haben keinen Hauptschulabschluss und 74 Prozent keine formale Berufsausbildung. 26 Prozent können Abitur bzw. Hochschulreife und neun Prozent eine akademische Ausbildung vorweisen.

»Die deutschen Industrie- und Handelsunternehmen integrieren Flüchtlinge« - unter diesem Stichwort starteten Verbände und Wirtschaftsministerium im März eine Initiative. Seitdem hat sich die Zahl der Mitgliedsbetriebe von 300 auf 700 mehr als verdoppelt. In dem Netzwerk tauschen sich Betriebe aus, die Geflüchtete einstellen, über ihre Erfahrungen mit der Bürokratie oder dem Ausländer- und Asylrecht aus.

Für die Wirtschaft sind die jungen Flüchtlinge aber bestenfalls ein langfristiger Hoffnungsschimmer, noch füllen sie nicht die Lücke bei den Fachkräften - ein Drittel der Betriebe kann nicht alle freien Ausbildungsplätze besetzen. Gründe sind sowohl der Geburtenrückgang als auch der Trend zur akademischen Laufbahn.

Insgesamt zeigt sich der deutsche Arbeitsmarkt laut den BA-Zahlen in stabiler Verfassung. Die Zahl der von der offiziellen Statistik erfassten Arbeitslosen stieg im Monat August aufgrund der Ferienzeit um 23 000 auf 2 684 000 (Quote: 6,1 Prozent), das sind aber 111 000 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der offenen Stellen stieg um 11 000 gegenüber Juli.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen