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Geschichtsverklärung mit Facebook

Florian Brand über kulturelle Ignoranz als Geschäftsmodell

Am Donnerstag veröffentlichte die norwegische Zeitung »Aftenposten« einen Artikel, in dem das historische Kriegsfoto des fliehenden Mädchens Kim Phuc aus Vietnam gezeigt wurde. Nur wenige Stunden später löschte Facebook den Post, woraufhin Chefredakteur Espen Egil Hansen dem Konzern in einem offenen Brief Machtmissbrauch vorwarf. Es folgte ein Shitstorm, samt Solidaritätsbekundungen - sogar von der Ministerpräsidentin Erna Solberg, die das bekannte Bild ebenfalls postete und auch der Facebookzensur anheimfiel.

Das ist nur konsequent, könnte mensch meinen. Allerdings steckt hinter Facebooks Zensurwahn ein Automatismus, der nicht zuletzt auch in Deutschland hohe Wellen schlug: Wir erinnern uns an die Hatespeech-Debatte, die darin mündete, dass der Justizminister die Selbstdarstellungsplattform »maas«-regelte. Stein des Anstoßes war, dass Facebook sich einerseits nicht daran störte, dass menschenverachtende Hetze über sein Netzwerk verbreitet wurde, wohl aber daran, dass mensch sich im Adams-, respektive Evakostüm zeigt (#nipplestatthetze). Das eigentlich Obszöne an der aktuellen Beschränkung der Aftenposten ist nicht die Nacktheit der gescholtenen Neunjährigen, sondern die Symbolik: ein börsennotiertes US-Unternehmen zensiert die ausländische Verbreitung eines Fotos, das Kriegsverbrechen der US-Vergangenheit dokumentiert - so geht Geschichtsverklärung.

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