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Astronautin gesucht

Eine Chemnitzerin will es Sigmund Jähn gleichtun

  • Von Claudia Drescher, Chemnitz
  • Lesedauer: 4 Min.

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Sicher eingebettet in einem Probencontainer der Internationalen Raumstation ISS hat der Urzeitkrebs Triops cancriformis die Erde schon mehrfach umkreist. Was ihrem geliebten Forschungsobjekt vergönnt war, möchte Thorid Zierold nun selbst erleben. Die Chemnitzer Wissenschaftlerin hat sich beim Projekt »Die Astronautin« beworben und könnte die erste deutsche Frau im Weltraum werden.

408 Frauen sind im April ins Rennen gegangen. Nach der ersten Auswahlrunde sind es aktuell 90 Kandidatinnen, darunter 14 aus den neuen Bundesländern. Ab dem kommenden Monat stehen diverse Tests im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg an. Bis zum Frühjahr 2017 werden zwei Finalistinnen feststehen, die dann wiederum über einen Zeitraum von zwei Jahren ein Astronautentraining absolvieren.

Die private Initiative geht auf das Konto von Claudia Kessler. Als langjähriges Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt und Chefin eines Personaldienstleiters für Fachkräfte in der Weltall-Branche gilt sie als Institution mit besten Kontakten. »Ich habe lange für diese Idee gekämpft«, erzählt sie.

Ihr eigener Kindheitstraum von einem Leben als Astronautin könne sich zwar nicht mehr erfüllen. Dafür soll 2020 die Zeit für eine andere Deutsche reif sein. Erst kurz vor dem Start wird jedoch feststehen, wer für gerade einmal zehn Tage mit der ISS fliegt und ob die erste Deutsche im Weltraum vielleicht sogar wie Sigmund Jähn aus Sachsen kommt. DDR-Bürger Jähn war der erste Deutsche im All.

Da hatten es ihre Krebse bedeutend einfacher, meint Thorid Zierold lachend. Während ihres Studiums der Geoökologie an der Technischen Universität Freiberg hatte sie das erste Mal Kontakt mit den Tieren, die seit mittlerweile 220 Millionen Jahren auf der Erde leben. Sie inspirierten sie zu ihrer Doktorarbeit und führten sie zu einem Aufbaustudium nach Großbritannien. Als Kustodin, was so viel wie »Hüterin der Schätze« bedeutet, folgte sie 2007 dem Ruf zurück in die Heimat und forscht seitdem am Naturkundemuseum Chemnitz.

Schließlich seien Astrobiologen auf ihre Arbeit mit den Triops aufmerksam geworden. Es folgte eine Einladung zu einer Weltraumkonferenz. »Nach Algen und Flechten war eine höhere Lebensform gefragt, die man der Weltraumstrahlung aussetzen wollte und so habe ich 2011 Triops-Proben zur ISS geschickt«, erzählt sie.

Das Besondere an den Tieren: Sie könnten als lebensfähiger Embryo in sogenannten Dauereiern in ausgetrocknetem Lebensraum bis zu 80 Jahre überleben. Aus ersten ISS-Proben seien auch tatsächlich Larven geschlüpft, allerdings hätten sie es nicht bis ins Erwachsenenalter geschafft. Ab Herbst stünden nun Untersuchungen mit weiteren Proben an. »Sollten daraus Larven schlüpfen, die selbst wiederum alt genug werden, um Eier zu legen, wäre damit bewiesen, dass diese Art im All überleben kann«, erläutert die Expertin. Sie vermutet, dass die komplexe Struktur die Triops-Eier so widerstandsfähig macht. »Anhand dessen lassen sich dann vielleicht neue Materialien entwickeln«.

Doch es seien nicht nur die Triops, die sie zu der »verrückten Idee« veranlasst hätten, bei der Astronautinnen-Suche mitzumachen. »Als ich das erste Mal davon gelesen habe, dachte ich, das ist doch ein Scherz«, gibt sie offen zu. In dieser Nacht im März habe sie jedoch nicht schlafen können und stattdessen im Kopf schon das Drehbuch für ihr Bewerbungsvideo geschrieben.

»Natürlich wäre es genial, wenn ich diesen Weg bis zu Ende gehen und tatsächlich fliegen könnte«, sagt Thorid Zierold, die am Museum eine kleine Forschergruppe mit Kindern zwischen 6 und 13 Jahren betreut. Darüber hinaus gefalle ihr jedoch die Idee, Mädchen zu zeigen, dass Frauen alles erreichen können.

Damit liegt sie mit Claudia Kessler auf einer Linie. »Mit dem Projekt haben wir an dieser Stelle bereits bewiesen, dass es genug hoch qualifizierte Frauen für diese Aufgabe gibt«, ist die Initiatorin überzeugt. Die Bandbreite an Bewerberinnen sei erstaunlich. Viele der Frauen hätten bei ihr großen Eindruck hinterlassen und schon jetzt für Gänsehaut gesorgt.

Im Weltall ist Deutschland derzeit noch Lichtjahre von der Gleichberechtigung entfernt: ein Kosmonaut und zehn Astronauten schickte man bislang ins All, allesamt Männer. International fällt die Bilanz ein wenig besser aus: Nach Angaben der NASA waren von 550 Raumfahrern weltweit 58 weiblich. dpa/nd

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