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Großbritannien baut neues AKW

Regierung genehmigt Hinkley Point C trotz Kritik - unter strengen Auflagen

  • Von Sascha Zastiral, London
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Mega-Atomkraftwerk Hinkley Point C soll jetzt doch gebaut werden. Sechs Wochen, nachdem die britische Regierung von Theresa May das Projekt überraschend auf Eis gelegt hatte, kam nun ebenso überraschend die Zusage. Doch London hat die Auflagen verschärft: Die Regierung habe »bedeutende Sicherheitsmaßnahmen« ergriffen, damit das Projekt »die nationale Sicherheit« nicht gefährde, hieß es dazu aus Regierungskreisen.

Die neue Regierung betrachtet Hinkley Point C kritischer als die Vorgängerregierung, die das Projekt in Gang gesetzt hat. Der Stein des Anstoßes ist eine erhebliche chinesische Beteiligung: Den Großteil der geplanten Kosten in Höhe von 18 Milliarden Pfund (21 Milliarden Euro) wird der französische Staatskonzern EDF übernehmen. Rund ein Drittel der Investitionen stammt jedoch aus China. Konservative Kritiker bemängelten, dass die »nationale Sicherheit« in Gefahr sein könnte, wenn China die Kontrolle über Teile von Großbritanniens Energieinfrastruktur erhalten würde. Schließlich soll Hinkley Point C rund sieben Prozent des britischen Energiebedarfs decken. Die Regierung habe festgelegt, dass Anteile an dem Atomkraftwerk nur mit einer vorherigen Genehmigung aus London verkauft werden dürfen, hieß es am Donnerstag aus der Regierung.

Beobachter spekulierten, dass May Druck aus Peking nachgegeben haben könnte. Chinas Regierung hatte sich wegen des Stopps des Projekts verärgert gezeigt und zukünftige Investitionen in Frage gestellt. Ein endgültiges Aus hätte gerade jetzt auch ein schlechtes Signal gesendet: Schließlich versucht Großbritannien gerade, sich im Zusammenhang mit dem Brexit als weltoffenes, investorenfreundliches Land zu präsentieren. Was aus zwei weiteren geplanten AKW wird, die mit chinesischer Beteiligung gebaut werden sollen, ist unklar.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls erklärte per Twitter, die Nachrichten über das grüne Licht aus London seien »exzellente Neuigkeiten«. Das Projekt werde Arbeitsplätze in Frankreich schaffen. Der französische Wirtschaftsminister Michel Sapin erklärte, die Zusage der britischen Regierung sei ein »unbestreitbarer Erfolg für die französische Industrie«.

Umweltschützer kritisierten die Entscheidung. Greenpeace-Chef John Sauven erklärte, die potenzielle Beschämung, die eine Absage ausgelöst hätte, sei der Regierung in London zu viel geworden. »Es gibt gewaltige finanzielle, rechtliche und technische Hindernisse, die nicht unter den Teppich gekehrt werden können.«

Kritiker bemängelten zudem den Preis von 92,50 Pfund pro Megawattstunde Strom, der EDF zugesichert worden ist und mehr als das Doppelte des Marktpreises beträgt. Das werde zu überhöhten Strompreisen führen, für die britische Verbraucher aufkommen müssten. Fraglich ist auch, ob die geplanten Kosten von 18 Milliarden Pfund für den Bau ausreichen werden. Mit einem Schwesterprojekt in Frankreich ist EDF Jahre hinter dem Zeitplan. Die Kosten haben sich dort mehr als verdreifacht.

Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Europaparlament, Rebecca Harms, kritisierte die »extremen finanziellen und atomaren Risiken« von Hinkley Point C. Sie verwies auch auf anhängige Klagen: Österreich sieht den von der britischen Regierung garantierten Stromabnahmepreis für das AKW als unzulässige Subvention und ist vor das Europäische Gericht gezogen. Auch Ökostromanbieter sowie Stadtwerke aus Deutschland und Österreich klagen.

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