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Schöner Wohnen für alle

MEINE SICHT

Es mag auf den ersten Blick befremdlich wirken, dass nun auch Linke gegen Flüchtlingsunterkünfte auf die Straße gehen. Doch wie schon der Protest gegen die Unterbringung in den Hangars des ehemaligen Flughafens in Tempelhof zeigte, der von vielen Anwohnern getragen wurde, lohnt sich ein zweiter Blick: Denn protestiert wird nicht gegen die Geflüchteten, sondern gegen deren Unterbringung, die einen Alltag in Würde, mit Möglichkeiten zum Rückzug und zur Entfaltung, nicht zulässt.

Das ist, so die These der Protestierenden, nicht nur schlecht für die Geflüchteten. Denn wie in anderen Bereichen - der zeitweilig niedrigere Hartz-IV-Satz für Geflüchtete sei nur als ein Beispiel genannt - könnte hier exemplarisch vorbereitet werden, was in Zukunft für alle Menschen zweiter Klasse - Sozialhilfeempfänger, prekär Beschäftigte, Alleinerziehende - gelten könnte. Das menschenwürdige Existenzminimum? Geht immer noch niedriger. Der Wohnraum wird knapp? Alle Sozialwohnungen verkauft? Dann soll der Pöbel doch in die modularen Unterkünfte einziehen, so jedenfalls die Befürchtung.

Es ist vielleicht die Frage, wie man so eine differenzierte Kritik in Wahlkampfzeiten am besten platziert und kommuniziert. Aber dass eine solche Kritik notwendig ist, ist ebenso klar. Wichtig ist, dass sie von Geflüchteten mitgetragen wird. Nur so kann es gelingen, dass sich die Wohnungssuchenden Berlins nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern gemeinsam für ein besseres Wohnen auf die Straße gehen.

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