Glücksstunden des Wolfes

Zum Tod des großartigen Schauspielers Hilmar Thate

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Sie grinst, die Sau. Schlimmer noch: kumpelt uns regelrecht an. Ein Mörder kumpelt uns an! Dieser Kerl, der an der Rampe sitzt, uns die Beine entgegenbaumelt - da weißt du doch endgültig, was das ist: unverschämt. Hilmar Thate als Richard III. in Manfred Wekwerths legendärer Shakespeare-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin. Über vierzig Jahre her. Richard: ekelhaft - und faszinierend. Thate, fast bittend als Berserker. Eine Sau? Das denkst du - und nimmst es zurück. Der da vorn ist ein Ausgesetzter, und Ausgesetztsein entfacht ungeheure Triebenergien des Willens. Da folgt ein autonomes Subjekt nur den eigenen Gesetzen, jenseits aller Verbindlichkeiten des Sittlichen, der Religion, der Normen.

Thate war Publikums Kumpel wie kein Richard zuvor. Seine Zoten, sein Zorn, seine kecke Zudringlichkeit - ein einziges Zwinkern: Leute, das kennt ihr doch - man muss bloß immer wieder die Gespräche mit dem eigenen Gewissen ausschlagen, und scho...


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