Wer folgt auf Ban Ki Moon?

Die Amtszeit des amtierenden UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon läuft nur noch bis Ende des Jahres. Bis dahin muss ein Nachfolger oder noch besser eine Nachfolgerin gefunden sein. Denn der 72-Jährige macht sich seit geraumer Zeit für die erste Frau als Gesicht der Vereinten Nationen stark, und viele der 193 Mitgliedstaaten folgen ihm da. Einem ungeschriebenen Verteilungsprinzip zufolge wäre auch endlich ein Kandidat oder eine Kandidatin aus Osteuropa an der Reihe. Vor allem Russland wirbt im Weltsicherheitsrat dafür. Dort bestimmt man jenen Namen, der dann der UN-Vollversammlung zur Bestätigung vorgelegt wird.

Offiziell sind nach dem Rückzug von Christiana Figueres aus Costa Rica noch elf Bewerber und Bewerberinnen im Rennen. Theoretisch könnten aber bis zum Abschluss der Sondierung noch weitere hinzukommen. Hielte man sich an das beschriebene Anforderungsprofil - hinzu kommt noch große Erfahrung auf dem internationalen Parkett, vorzugsweise im Rahmen der Vereinten Nationen -, dann müsste eigentlich Irina Bokova sehr gute Chancen haben. Doch die aus Bulgarien stammende Generalsekretärin der UN-Kulturorganisation UNESCO, vom Sofioter Außenministerium im vergangenen Februar auf Wunsch von Regierungschef Boiko Borissow nominiert, ist inzwischen ausgerechnet in ihrer Heimat umstritten. Auch Borissow zweifelt.

Vor allem für das rechte Lager ist die 64-Jährige ein rotes Tuch: Tochter des Chefredakteurs einer KP-Zeitung, einst selbst Parteimitglied, nach der bulgarischen Wende dann bei den Sozialisten und viel zu russlandfreundlich, so die Vorwürfe. Hinzu kommt, dass Bokova bei den Probeabstimmungen im Sicherheitsrat nicht vorne landen konnte. So wird in Sofia eine alternative Kandidatin ins Spiel gebracht: Kristalina Georgieva, konservativ, Vizepräsidentin der EU-Kommission und in Brüssel verantwortlich für Haushaltfragen. Sie sorgte zuletzt sogar für diplomatischen Ärger zwischen Berlin und Moskau. In scharfer Form hat die Bundesregierung den Vorwurf des russischen Außenministeriums zurückgewiesen, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe beim jüngsten G20-Gipfel für Georgieva als neue UN-Generalsekretärin geworben.

Im Sicherheitsrat gab es bislang vier Probeabstimmungen, und jedes Mal setzte sich ein Mann aus Westeuropa durch - der einstige portugiesische Ministerpräsident und frühere Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, António Guterres. Das nächste Probevotum folgt kommenden Montag.

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