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Von Bengt Arvidsson, Stockholm
23.09.2016

Gröxit - Grönlands langer Abschied

Drei Jahre dauerten die Austrittsverhandlungen mit der EWG - dabei ging es nur um den Fischfang

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Fischerboote im Hafen von Uummannaq im Nordwesten Grönlands

Als die Grönländer 1982 für einen Austritt aus der EU, damals noch die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), stimmten, ging es in den Schlagzeilen vor allem um den Flächenverlust. Die EWG verlor auf einen Schlag die Hälfte ihres Territoriums. Grönland ist mit seinen knapp 2,2 Millionen Quadratmetern die größte Insel der Welt. Gleichzeitig leben dort nur 56 000 Menschen. Das ist bei Großbritannien anders.

Der Austrittswunsch Grönlands hatte damals vor allem zwei Gründe. Die Grönländer waren der seit 1814 währenden kolonialen Bevormundung aus Dänemark überdrüssig. Als Grönland 1973 als Teil Dänemarks in die EWG aufgenommen wurde, geschah das wieder gegen den Volkswillen. 70 Prozent der Grönländer stimmten damals gegen den Beitritt. Weil die weitaus zahlreicheren Bürger Dänemarks aber mehrheitlich für den Beitritt stimmten, wurde Grönland als dänische Provinz in die EWG hineingezwungen.

Auch aus wirtschaftlichen Gründen war die EWG-Mitgliedschaft problematisch für Grönland. Die Insel musste europäischen Ländern weitgehende Fangrechte einräumen. Dabei ist die Fischerei neben umfangreichen Hilfszahlungen aus Dänemark bis heute die einzige große Einnahmequelle der Insel. Die Proteste wuchsen. 1979 billigte Kopenhagen Grönland seine Selbstverwaltung sowie die innere Autonomie mit eigenem Parlament zu. 1982 stimmten 53 Prozent der Grönländer in einem Referendum für den EWG-Austritt.

»Zunächst hieß es, man könne gar nicht austreten. Das sei nicht vorgesehen«, erinnert sich der grönländische Chefunterhändler Lars Vesterbirk gegenüber dieser Zeitung. Vor allem Westdeutschland blockierte den Gröxit fast drei Jahre lang. »Ich war zwei Jahre lang auf zwei Sitzungen wöchentlich. Die Hinhaltetaktik der deutschen Verhandlungspartner war unglaublich, sie redeten und redeten, ohne ein Wort zu sagen«, erinnert sich Vesterbirk. Grönland entschied sich, ohne ein Abkommen einseitig auszutreten. Um das zu verhindern, griff Kopenhagen ein. »Der damalige dänische Außenminister Uffe Ellemann-Jensen nutzte seine sehr enge Freundschaft zum deutschen Außenminister Genscher«, erinnert sich Vesterbirk. »Sie haben sich ein paar Mal privat getroffen und dann lief alles sehr schnell.« Seit dem 1. Januar 1985 ist Grönland kein Mitglied des Klubs mehr. Dies wurde als regionaler Austritt verbucht. Grönland ist noch heute Teil des dänischen Königreichs. Es wird in Brüssel als Überseegebiet der EU geführt.

Gleichzeitig zeigte sich Brüssel finanziell überaus wohlwollend. So konnte Grönland der EU verminderte Fischfangrechte ungewöhnlich teuer verkaufen. Mit dem Verkauf der Lizenzen und der Umwandlung von EU-Strukturgeldern in Entwicklungshilfegelder bekam das Land genauso viel Geld aus Brüssel wie zuvor. Grönland hat weiterhin zollfreien Zugang zum EU-Binnenmarkt. Seine Bürger werden wie EU-Bürger behandelt. »Der Austritt war gut für Grönland. Heute haben wir eine der modernsten Fischfangflotten der Welt. Die hätten wir mit der EU-Konkurrenz in unseren Gewässern nicht aufbauen können«, sagt Vesterbirk.

Der Austritt Großbritanniens mit 64 Millionen Einwohnern und tieferen Verzahnungen mit der EU dürfte sich schwieriger gestalten, ist Vesterbirk überzeugt. »Bei uns ging es nur um den Fisch. Großbritanniens Austritt ist viel komplexer. Das wird mindestens sieben Jahre dauern.«

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