Werbung

Maßloses Vermessen

Lena Tietgen über die Unwissenschaftlichkeit von Intelligenztests

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Es scheint geradezu so, dass unser neuzeitliches Wissenschaftsverständnis, das sich nach Descartes auf den Zweifel gründet, sich selbst ad absurdum führt. Es werden hochtechnologische Instrumente entwickelt, mittels derer genetische und neurobiologische Forschung betrieben wird, und Wissenschaftler lassen die Zweifel außen vor.

Im Mainstream der Wissenschaften hat sich leider der positivistische Ansatz des ausgehenden 19. Jahrhunderts durchgesetzt. Nach diesem sind als sicher zu geltende Beobachtungssätze für wahr zu erklären. Mit anderen Worten, nur die Dinge, die empirisch oder rein logisch nachweisbar sind, sind dieser Theorie zufolge wissenschaftlich haltbar; der kritische Geist wurde auf die Laborsituation reduziert. Der Mensch ist das, was die Messung ergibt.

Dieses Denken hatte und hat fatale gesellschaftliche Folgen. Gemessen wird in der Regel der Wert des Menschen, seine Leistungsfähigkeit gilt als Paradigma. Deutlich wird das an den Intelligenztests, die eine bestimmte Fähigkeit in einer bestimmten Umgebung in einer bestimmten Situation messen - wohl wissend, dass diese Fähigkeit nur in bestimmten Umgebungen und in kommunikativen Situationen überhaupt entfaltet werden kann. Damit führt sich Wissenschaft ad absurdum.

Unter der Hand werden die Ergebnisse von Intelligenztests jedoch genutzt, vielleicht auch gebraucht, um Handlungen, Zuschreibungen oder etwa die Schulwahl eines Kindes zu begründen. Das Vermessen von Intelligenz ist also keine wertfreie Wissenschaft.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!