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Geschichte eines Phänomens

Bildungsrauschen

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Das Denken beschäftigt die Menschheit seit jeher. Doch erst seit kürzerem wird dieses Phänomen im Deutschen mit dem Wort »Intelligenz« verknüpft. Es stammt aus dem 18. Jahrhundert und bedeutete damals soviel wie »gute Auffassungsgabe, Klugheit, Verstand«. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde unter Intelligenz auch die »soziale Schicht der geistig Schaffenden« verstanden. Entlehnt wurde der Begriff aus dem Lateinischen »intelligentia«, worunter man »Einsicht, Erkenntnis, Verständnis, Verstand« versteht. (Wolfgang Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen). Offensichtlich veränderte sich die Bedeutung des Wortes mit seiner Entlehnung. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird es heute für die Fähigkeit benutzt, gute Lösungen von Problemen zu finden oder als Zuschreibung für eine Person. Oftmals ist die Verwendung des Begriffs mit einer Erwartungshaltung gegenüber Kindern verbunden, deren Schulleistungen als Abbild von Intelligenz interpretiert werden.

Die Philosophen des Altertums trieben da ganz andere Fragen um. In der Antike beschäftigte man sich mit Konzepten des Denkens und des Gehirns. So meinte Hippokrates, das Gehirn im Menschen habe »die größte Macht«, da dies sowohl für das Denken als auch das Empfinden, für den Verstand wie für den Irrsinn zuständig sei. Platon hingegen unterteilte die Seele in Vernunft, die er dem Gehirn zuordnete, in Willen, dessen Ort das Herz sei, und in Begehren, das er im Rumpf verortete. Dem widersprach Aristoteles. Ausgehend von empirischen Studien erklärte er das Herz zum zentralen Organ. Nicht allein, dass dessen Stillstand den Tod bedeute, auch alle Emotionen erzeugten eine Änderung des Herzschlags. Zudem zeigten lebende Tiere bei Berührung ihres Gehirns keinerlei Regung. Folglich habe das Gehirn die Funktion eines »Kühlsystems«. Im pulsierenden Herz finde die »Wahrnehmungsseele« ihre Heimat. Die »aktive Vernunft« aber besitze als »höchste Funktion der Seele« kein Körperteil. Denn nur sie sei in der Lage, »alles zu erkennen«. Die Vorstellung eines Zusammenspiels von Seele und Organen galt für viele Jahrhunderte als Paradigma. (dasgehirn.info) Es war Cicero, der die Gedanken der Griechen aufgriff. Unter »Meilensteine der Intelligenzforschung« zitiert ihn zeit.de mit seinem Konzept der »intelligenzia«. Cicero verstand darunter das »Vermögen, das den Geist befähigt, die Wirklichkeit zu verstehen«.

Mit der Neuzeit veränderte sich das Verständnis von Denken und Fühlen. Empirische Forschung gewann Deutungshoheit. So hat 1869 der Naturforscher Francis Galton mit der Anwendung der Erkenntnisse aus der Vererbungslehre auf das Denken erstmalig einen Streit darüber ausgelöst, ob die Biologie oder die soziale Umwelt für die Intelligenz verantwortlich ist. 1900 entwickelten der Psychologe Alfred Binet und der Arzt Théodore Simon den »ersten modernen Intelligenztest für Kinder«, der der Selektion von Sonderschulkindern dienen sollte. Auftraggeber war die französische Regierung. Lena Tietgen

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