Gemeinsam sind wir stark– linker Journalismus ist mir etwas wert!
    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Ich habe bezahlt.

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login
  • Ich beteilige mich später
Von Katharina Dockhorn
23.09.2016

Abtreiben oder nicht

»24 Wochen« Regisseurin Anne Zohra Berrached und Hauptdarsteller Bjarne Mädel über die Last der Entscheidung, gesellschaftlichen Druck und moderne Diagnostik

Julia Jentsch (r.) als Astrid un...
Julia Jentsch (r.) als Astrid und Bjarne Mädel als Markus in einer undatierten Szene aus dem Film "24 Wochen".

Anne Zohra Berrached beeindruckte bei der Berlinale mit ihrem Debüt »24 Wochen«. Sie schildert die Gefühlslage eines Paares, das sich der Entscheidung stellen muss, ein Kind mit einer mehrfachen Behinderung abzutreiben oder zu bekommen. Neben Hauptdarstellerin Julia Jentsch spielt Bjarne Mädel.

Frau Berrached, Maren Ade und Sie vertraten die deutschen Farben bei den renommiertesten Filmfestivals des Jahres. Brauchen wir trotzdem eine Frauenquote?
Anne Zohra Berrached: Die Quote kann die Benachteiligung von Frauen verändern. In der Ausbildung liegt der Anteil der Studentinnen bei knapp 50 Prozent, aber nur vier Prozent der »Tatorte« und rund ein Fünftel der Kinofilme werden von Frauen inszeniert.

Ist der Unterschied für einen Schauspieler spürbar?
Bjarne Mädel: Nein. Auf Regisseurinnen können Furien und Diktatorinnen sein. Für mich ist wichtig, dass die Regie gut vorbereitet ist und weiß, was sie will. Bei Anne traf das zu. Sie legte ein gut recherchiertes Drehbuch zur Gefühlslage eines modernen Paares vor, in dem die Figuren stimmten und die Dialoge nahe am Leben sind. Sie war in der Vorbereitung und in der Arbeit äußerst konsequent. Das ist manchmal anstrengend. Aber es hat sich gelohnt.

Regisseurin Anne Zohra Berrached
Regisseurin Anne Zohra Berrached

Haben Sie sofort zugesagt?
Mädel: Ich suchte seit langem nach einer gehaltvollen, ernsten Rolle oder einer fiesen, sadistischen Figur, die dem Komischen diametral gegenüber steht. Beim Lesen des Buches musste ich mit Tränen kämpfen. Ich hatte keine Ahnung, wie ich diesen Mann spielen soll. Das weckte instinktiv meine Lust, ihn zu spielen.

Er ist ja in keiner guten Position?
Mädel: Das habe ich nicht so gelesen. Dieses Paar funktioniert gut als Paar und Einheit. Nach der Diagnose muss es sich bewähren – aber letztlich ist es die Entscheidung der Frau, ob sie das Kind bekommen oder nicht. Darauf bist du als Mann neidisch. Denn du willst Nähe, du willst genauso leiden. Das kann er nicht, und es ist schlimm, das zu bemerken.

Dazu kommt der gesellschaftliche Druck. Die Parlamentarischen Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, sagte während der Anhörung zu einer Petition, die die freie Wahl des Geburtsortes forderte, dass man nicht jedes Recht einfordern könne, wenn die Konsequenzen des selbstbestimmten Handelns die Solidargemeinschaft zu tragen habe.
Mädel: Es ist erschreckend, wenn die Selbstbestimmung des Menschen beschnitten wird, weil es der Gesellschaft zu teuer geworden ist, wenn Menschen mit Behinderungen geboren werden. Und wohin führt dies letztlich?

Berrached: Über 90 Prozent der Frauen entscheiden sich für eine frühzeitige Beendigung der Schwangerschaft.

Mädel: Vielleicht ist es auch eine Frage des Vertrauens in die eigene Kraft. Schafft man es, sich ein Leben lang um ein Kind mit Behinderung zu kümmern? Und was passiert nach meinem Tod? Der seelische Druck beginnt, wenn Paaren geraten wird, die Untersuchung zu machen. Wenn sie nachgeben, entscheiden sie sich schon gegen das Kind. Das ist aber vielen nicht klar.

Würden Sie sich der Untersuchung verweigern?
Berrached: Ich habe bei dem Film gelernt, dass ich das nicht voraussagen kann. Jetzt würde ich sagen, ich schaffe es. Ich weiß aber nicht, wie ich in der Situation reagieren würde. Damit bin ich nicht alleine. Vor der Entscheidung für den Abbruch der Schwangerschaft schätzte die Hälfte der Paare ein, dass sie sich für das Kind entscheiden würden.

Das Thema ist tabuisiert. Wollen Sie dies ändern?
Berrached: Die Pränatalmedizin schreitet voran, das wollen wir. Doch wir sollten uns auch Gedanken über die moralischen Aspekte machen.

Mädel: Es wäre toll, wenn der Film eine Diskussion anstoßen könnte. Weil die Familien, die ein Kind mit Behinderung bekommen, Unterstützung brauchen. Und die, die sich dagegen entscheiden, weil sie ihrem Kind nicht dauerhaft Schmerzen und unzählige Operationen zumuten wollen, dürfen nicht verurteilt werden.

War die Berlinale die richtige Plattform für die Premiere?
Berrached: Sie war perfekt. Ich bin stolz, dass er dort die Zuschauer berührt hat. Denn es war anstrengend, ihn durchzuboxen. An sich wollten alle das Thema. Aber dann kamen die Einwände und Bedenken. Es redeten zu viele Leute mit, die Angst haben. Aber Angst ist das Letzte, was ich als Regisseurin brauchen kann. Es ist meine Aufgabe, anderen die Angst zu nehmen und einen klaren Kopf zu bewahren, um meine Vorstellungen nicht aus dem Auge zu verlieren.

Im nd-Shop

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken