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Zappenduster

Wrekmeister Harmonies

Es ergibt eine recht imposante Liste, wenn man all jene Künstler aufzählt, mit denen JR Robinson in der Vergangenheit zusammenarbeitete. Allesamt Leute übrigens, die nicht gerade bekannt sind für das Erschaffen von Musik, die überschäumende Lebensfreude garantiert: Alexander Hacke von den allseits bekannten Einstürzenden Neubauten gehört etwa dazu. Und David Yow von der sich einst inbrünstig ins Atonale werfenden Schmirgelpapier-Noise-Rockband The Jesus Lizard. Oder Chris Brokaw von der legendären und gar nicht genug zu lobenden 90er-Jahre-Band Codeine, die seinerzeit das Todtraurige des Daseins, die Isolation und Entfremdung des Einzelnen thematisierte und mit ihren irgendwie ratlos und verloren durch den Raum hallenden Gitarrenakkorden eine extrem entschleunigte Rockmusik für depressive junge Männer bereitstellte.

Für sein neues Album, das den schönen Titel »Light Falls« trägt, hat Robinson, der sich unter dem Namen Wrekmeister Harmonies mit wechselnden Künstlerinnen und Künstlern zusammentut, sich diesmal Mitglieder des kanadischen Protestrockkollektivs Godspeed You! Black Emperor eingeladen, das für seinen brausenden, monumentalen und sich ganz dem debilen herrschenden Pop-Zeitgeist verweigernden Post-Rock bekannt ist. Passt ja auch gut. Das Cover-Artwork zeigt, auch passend, ein wenig Mut machendes, halbabstraktes Gemälde, auf dem eine Art Alptraumlandschaft zu sehen ist, in der Schwärze, viele sich zu einem ungeordneten Haufen zusammenballende Grautöne und stark stilisierte Totenköpfe miteinander, nun ja, harmonieren. Vielleicht würde ja Goya so malen, wenn er heute lebte.

Natürlich brummen und bratzeln hier ordentlich die Bässe und es schnarrt das Feedback, ein von nervösen Streichern begleiteter, polternder Doom-Metal bricht sich hie und da Bahn, der kaum Widerrede duldet: Mal wächst das alles crescendohaft an, zu einem reißenden Strom aus röhrenden Klängen, mal sackt es wieder in sich zusammen und es bleibt nur ein besinnlich-trauerkloßhaftes Gedaddel übrig. Worte werden nicht viele gemacht. Warum auch. Es steckt ja schon alles in der Musik, die sagt: Dunkler wird’s und irgendwann ist zappenduster. Er habe, so Robinson, den schleichenden Niedergang einer Gesellschaft, die sich immer schön scheibchenweise und unmerklich mehr und mehr in eine unmenschliche und unfreie verwandelt, in Tonkunst übertragen wollen. Man könnte also durchaus sagen, Robinsons neues Album erscheint gerade zur rechten Zeit.

Ein das oben genannte gut ergänzendes Album ist das neue von Jan Jelinek und dem Japaner Masayoshi Fujita: Da sind viele seltsame, bisher ungehörte Geräusche drauf.

Wrekmeister Harmonies: »Light Falls« (Thrill Jockey/Rough Trade)

Masayoshi Fujita & Jan Jelinek: »Schaum« (faitiche/Morr Music)

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