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Es läuft wie geschmiert

Die deutsche Konjunktur wird die Drosselung der Erdölförderung durch die OPEC vermutlich gut verkraften

Wer mit seinem Auto zum Tanken fährt, könnte bald wieder tiefer in die Tasche greifen müssen. Zumindest wird das Benzin vermutlich nicht mehr billiger. Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hat sich am späten Mittwochabend bei einem informellen Treffen in Algier auf eine Reduzierung der Ölförderung geeinigt. Demnach soll die tägliche Förderung um mindestens 750 000 Barrel (159 Liter) auf 32,5 Millionen bis 33 Millionen Barrel zurückgefahren werden. Um wie viel genau jedes einzelne der 14 OPEC-Mitgliedsstaaten seine Förderung drosselt, soll auf dem OPEC-Gipfel am 30. November in Wien festgelegt werden.

Die Ölpreise schossen sofort um zwei Euro in die Höhe. Ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent kostete am Donnerstagmittag rund 48,50 US-Dollar. Damit ist der Treibstoff jedoch noch recht billig. Im Frühsommer 2014 lag der Kurs bei knapp 115 Dollar. Seitdem ist der Ölpreis gefallen. Im Januar dieses Jahres lag er zeitweilig bei unter 30 Dollar. Vor allem Unstimmigkeiten zwischen den beiden Erzrivalen Iran und Saudi-Arabien sollen eine Drosselung der Ölförderung, die den Preis stabilisiert, bisher verhindert haben. Dabei litten OPEC-Mitglieder wie Venezuela bereits massiv unter den niedrigen Preisen, weil diese weniger Einnahmen für die Länder bedeuten.

Doch was bedeutet die Einigung für die Wirtschaft hierzulande? Schließlich befeuerten niedrige Energiepreise zuletzt den privaten Konsum und damit auch die Konjunktur.

Wer jetzt die nächste Krise befürchtet, den kann Gustav Horn beruhigen. »Es kommt auf keinen Fall zu einem Schock«, sagt der Chef des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Der Haupteffekt, den die OPEC-Einigung ihm zufolge vermutlich hat, ist, dass die Inflation wieder anzieht. Und das ist Horn zufolge sogar gut, »weil die Inflationsrate derzeit deutlich zu niedrig ist«, um Stabilität zu gewährleisten.

Im August lag sie bei nur 0,4 Prozent. Die OPEC-Entscheidung könne nun dazu führen, dass die Rate sich Richtung ein Prozent bewege, hofft Horn. »Das wäre immer noch nicht genug, aber sicherlich wären es ein paar Schritte in die richtige Richtung.« Die Europäische Zentralbank etwa hat für ihre Geldpolitik das Ziel einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent.

Auch könnten die Konsumenten Horn zufolge die stärkere Belastung durch die höheren Ölpreise verkraften. »Wir sind heute wesentlich unabhängiger vom Öl, als wird das noch vor einigen Jahren oder Jahrzehnten waren«, meint der Konjunkturexperte. Auch für die deutsche Industrie sei es keine große Belastung mehr. Schließlich werde ein Großteil der Energie hierzulande mittlerweile aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt. »Das schützt uns vor sehr dramatischen Effekten«, so Horn.

Zudem läuft die Konjunktur derzeit recht gut. Um 1,9 Prozent wird die Wirtschaftsleistung dieses Jahr vermutlich wachsen, schätzt das IMK. Für kommendes Jahr gehen Horn und seine Kollegen von 1,3 Prozent aus. Damit sind sie ähnlich optimistisch, wie ihre Kollegen der anderen Institute, die am Donnerstag die Gemeinschaftsprognose vorstellten (siehe unten). Und für die schlechteren Aussichten für nächstes Jahr gibt es vor allem auch kalendarische Gründe: 2017 hat drei Arbeitstage weniger als 2016. Das drückt auch auf die Wirtschaftsleistung.

»Der Aufschwung geht weiter, weil er ein stabiles Standbein im Inland hat«, so der IMK-Chef. Mehr Beschäftigung, höhere Löhne und steigende private Ausgaben treiben nicht nur die Konjunktur voran, sie führen auch zu gut gefüllten Staatskassen. Lediglich die hartnäckige Investitionsschwäche macht den Forschern des IMK etwas Sorgen.

Übrigens war das IMK im Juni noch pessimistischer - um 0,3 Prozent für dieses Jahr. Damals schätzten sie die Folgen des Ausscheidens Großbritanniens aus der EU noch als weitaus dramatischer ein. Kommentar Seite 4

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