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Australien bittet zur Kasse

Kritik an den Steuerplänen der Regierung für Rucksacktouristen

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Nach dem Abitur hat sich Matthias nach Australien aufgemacht. Sonne, Party, Strand, Abenteuer, weite Welt - das radikale Kontrastprogramm zum Abiturstress und eine Auszeit vor dem Studium. Der Rheinländer hat in Sydney Party gemacht, im nächtlichen Outback den klaren Sternenhimmel bewundert und sich am Großen Barrier Riff von Korallen faszinieren lassen.

Eine solche Reise kostet. Auch wenn man als Rucksacktourist ein Sparvirtuose ist. Australien ist für Touristen ein teures Land. Ein Bett in einem Zehn-Mann-Schlafsaal in einer Jugendherberge in Sydney schlägt mit umgerechnet 18 Euro zu Buche. Ein Bett im »4 Bed de Luxe«-Schlafsaal im Gilligans - eine moderne Jugendherberge in Cairns mit Pool am Großen Barrier Riff - kostet schon 28 Euro.

Matthias hat seine Urlaubskasse mit Jobs aufgebessert. »Von den sieben Monaten in Australien habe ich zwei gearbeitet«, erzählt der 23-jährige Flugzeugbaustudent. »Erst als Erntehelfer auf einer Mandarinenplantage und dann auf einer Farm für Auberginen, Chilis und Gurken.« An die Jobs zu kommen, ist nicht schwierig. Herbergen wie das Gilligans sind auch Jobbörsen.

Rucksacktouristen als Erntehelfer sind für Australiens Landwirtschaft das, was Polen und Rumänen für deutsche Bauern sind - unverzichtbar. Damit könnte aber down under bald Schluss sein. Die Regierung will die Saisonarbeiter über eine Rucksacktouristensteuer kräftig zur Kasse bitten. Zwar ist die australische Regierung gerade von dem ursprünglich geplanten Steuersatz von 32,5 Prozent abgerückt. Allerdings die jetzt in Rede stehenden 19 Prozent sind auch noch happig.

Die Landwirte befürchten, dass schon die seit 2015 andauernde Diskussion über die Besteuerung der Rucksacktouristen so manchen von der Beantragung eines Work&Travel-Visums abgehalten hat. Das, so der Bauernverband, verstärke den eklatanten Arbeitskräftemangel in der australischen Landwirtschaft. Die drohende Gefahr: Ernten können nicht mehr komplett eingebracht werden, die Versorgung der Bevölkerung mit Obst und Gemüse verschlechtert sich, die Preise für Äpfel und Salat steigen.

Doppelt unglücklich über die »Backpacker Tax« ist die Tourismusbranche. Auch Hotels und Restaurants leiden unter Personalmangel. Vor allem aber sind Rucksacktouristen ein zentrales Element im extrem wichtigen Jugendreisemarkt. Ein Viertel aller Australienurlauber sind zwischen 15 und 29 Jahre alt. Da diese Altersgruppe es bekanntlich auch gerne krachen lässt, ist ihre wirtschaftliche Bedeutung noch immenser: das Jungvolk ist für 44 Prozent der Ausgaben aller Touristen gut.

Die arbeitenden Backpacker sind zudem ein kleines, dauerhaftes Konjunkturprogramm. 69 Prozent der Work-&-Travel-Reisenden geben ihren Verdienst gleich wieder in Australien aus. Immerhin 60 Prozent der Rucksacktouristen sind von Australien so begeistert, dass sie irgendwann in ihrem Leben wiederkommen möchten - dann mit Familie und einem guten Gehalt.

Die Steuer, so die Befürchtung der Tourismusbranche, könne mittelfristig Australiens Image als Backpackerparadies beschädigen. Dem hofft Australiens Regierung durch einige Verbesserungen bei dem Work&Travel-Visum entgegenzuwirken. Das Höchstalter für diese Visa wird von 30 auf 35 Jahre herauf- und die Gebühr um 50 australische Dollar (AUD) auf jetzt 390 AUD (366 Euro) herabgesetzt. Zusätzlich werden zehn Millionen AUD (6,8 Millionen Euro) für eine maßgeschneiderte Anzeigenkampagne spendiert, um jungen Leuten weiterhin Urlaub und Arbeit down under schmackhaft zu machen.

Alles wird gut? Nicht wirklich. Regierungen sind erfinderisch und unerbittlich, wenn es um die Erschließung neuer Einnahmequellen geht. Zur Kompensation der Differenz zwischen 19 und 32,5 Prozent bei der Rucksacktouristensteuer wird die Ausreisesteuer um fünf Dollar auf 60 Dollar erhöht. Die muss jeder zahlen, der Australien verlässt!

Geld ist aber nicht alles. Es geht den jungen Leuten auch um ein Lebensgefühl. Matthias sagt: »Gerade nach der Schule hat es gut getan auch mal körperlich richtig anzupacken und zu arbeiten, Menschen von allen Nationalitäten und Kulturen kennenzulernen, andere Natur zu erleben.«

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