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Russland: Mit Kyrill gegen Abtreibungen

  • Von Axel Eichholz, Moskau
  • Lesedauer: 2 Min.

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Das Oberhaupt der Russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill, hatte einen Appell für das Verbot von Abtreibungen in Russland bereits unterschrieben. Später berichtigte sein Sprecher Alexander Wolkow den Chef. Der Patriarch habe sich Ende September nicht für ein totales Verbot ausgesprochen, sondern »nur« dafür, Abtreibungen von der kostenlosen medizinischen Gesundheitsversorgung auszunehmen.

Kyrill traf die Verfasser des Appells von den Bewegungen »Für das Leben« und Christlich-orthodoxe Freiwillige nach dem Gottesdienst in einer Kirche bei Moskau. Sie fordern, alle Abtreibungen mit Ausnahme von Fällen, in denen das Leben der Frau bedroht ist, sowie chemische Verhütungsmittel, die zum Schwangerschaftsabbruch führen, und extrakorporale Befruchtung zu verbieten. Die Aktivisten haben bisher 300 000 Unterschriften unter ihrem Appell gesammelt. Wenn eine Million erreicht sei, wollen sie sich an die Landesführung wenden. Die Unterschrift des Patriarchen dürfte der Kampagne neuen Auftrieb gegeben haben.

Der Oberste Mufti Russlands, Talgat Tadschuddin, unterstützte Kyrills Forderung nach einem Abtreibungsverbot in einer Predigt. Auch die neue Kinderrechtsbeauftragte beim russischen Präsidenten, Anna Kusnezowa, sprach sich für ein Abtreibungsverbot aus. »Die ganze zivilisierte Welt« lehne sich seit Jahren gegen die Abtreibung auf, erklärte sie. Sie selbst ist mit einem orthodoxen Priester verheiratet und hat sechs Kinder.

Gegen ein Verbot wendet sich die Feministin und Schriftstellerin Maria Arbatowa. Versuche, religiöse Ansichten auf die gesamte Bevölkerung auszudehnen, verstießen gegen die Verfassung. Russland sei ein weltlicher Staat. Verbote und Behinderungen von Abtreibungen führten nie zum Bevölkerungswachstum. Dadurch stiegen nur die Sterblichkeit bei Frauen durch illegale Abtreibung, die Zahl der Kindesmörderinnen und der Waisenkinder.

Russland kann auf einschlägige Erfahrung zurückblicken. 1936 hatte Stalin Abtreibungen verboten und unter Strafe gestellt, um den durch Massenerschießungen und Hungersnöte verursachten Bevölkerungsschwund auszugleichen. Frauen, die sich illegalen Eingriffen unterzogen, und Ärzte, die solche Eingriffe wagten, landeten oft im Gulag. Gynäkologen, die bei legalen chirurgischen Operationen plötzlich auf eine Schwangerschaft stießen, konnten nur nach einem zermürbenden Verfahren freigesprochen werden. Das Abtreibungsverbot wurde in der Sowjetunion erst 1955 im Zuge der Entstalinisierung aufgehoben.

Parallel dazu regte die Abgeordnete des Föderationsrates (Oberhaus), Jelena Misulina, ein Verbot der Babyklappen an, wo Frauen Neugeborene anonym abgeben können. Stellen, die entgegen dem Verbot Babyklappen einrichten, sollen mit Geldstrafen von 5 Millionen Rubel - fast 70 000 Euro - belegt werden. Die Regierung habe ihre Initiative begrüßt, sagte die Abgeordnete. Nach Expertenmeinung wäre dieses Verbot für viele Babys der sichere Tod.

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