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Vegan auch in der Bezirkskantine

Berliner Initiativen fordern mit Bürgerbegehren rein pflanzliche Zusatzangebote in den Kantinen von Friedrichshain-Kreuzberg

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Berlin gilt europaweit als Hauptstadt der veganen Szene. In keiner anderen Metropole gibt es so viele Cafés und Restaurants, die auf pflanzliche Kost setzen. Mehr als 50 Anbieter tun dies inzwischen sogar ausschließlich. Auch die Hochschulkantinen der Hauptstadt sind Vorreiter der Entwicklung – mit der »Veggie No. 1« befindet sich an der »Freien Universiät« seit einigen Jahren die erste komplett vegetarisch-vegane Mensa Deutschlands. Doch bei all diesen Angeboten gilt: Egal ob Gemüsepfanne oder Seitanbratling – ein tägliches Angebot für die wachsende Zahl von Veganern ist besonders in öffentlichen Kantinen bisher völlig ungeregelt, ein rein pflanzliches Angebot zum Mittagessen damit auch eine Form des Glücksspiels.

Ein Gruppe von Umwelt- und Tierrechtsaktivisten will dies nun ändern, zumindest in Friedrichshain-Kreuzberg: Am Montag startete ein Bürgerbegehren für veganes Kantinenessen in allen Einrichtungen des Bezirks. Künftig soll mindestens ein rein pflanzliches Gericht in den Mensen zusätzlich angeboten werden. Vegetarische Mahlzeiten gibt es schon länger, doch diese sind eben in nicht allen Fällen ohne Milchprodukte, Eier oder etwa Honig zubereitet. Hätte die Initiative Erfolg, wären neben der Rathaus-Kantine auch etwa 50 Schulen verpflichtet, eine vegane Option bereitzustellen.

Besonders letzterer Fall sorgte in Berlin schon für einige Aufregung: Im Mai war ein Vater mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht gescheitert, um für seine Tochter ein veganes Schulessen durchzusetzen. In dem Fall ging es zwar lediglich um einen Antrag auf Prozesskostenhilfe, doch diese wurde nicht gewehrt, weil die eigentliche Klage nach Ansicht des Richters wenig Chance auf Erfolg hätte. Gescheitert war die Klage übrigens nicht, weil die Caterer nicht in der Lage wären, vegane Schulessen anzubieten, sondern weil dies schlicht seit einer Senatsreform vor zwei Jahren nicht mehr vorgesehen ist und pflanzliche Kost nur auf Vorlage eines ärztlichen Attests ausgegeben wird.

Die Initiatoren des »Veggie-Bürgerbegehrens« haben es allerdings vermieden, einen Fehler der Grünen aus dem Jahr 2013 zu wiederholen. Ausdrücklich handelte es sich um die Forderung nach einem Zusatzangebot und keinen »Veggie-Day«, an dem es in den Kantinen gar keine fleischliche Kost geben würde. Für solch eine Forderung hatte die Öko-Partei öffentlich heftige Kritik einstecken müssen. Das eigentliche Anliegen, die Kritik am viel zu hohen Fleischkonsum, geriet völlig in den Hintergrund.

Hinter dem Begehren stehen neben der Gruppe »Sentience Politics«, die Albert-Schweitzer-Stiftung sowie der Vegetarierbund Deutschland. »Eine pflanzliche Ernährung hat viele Vorteile. Sie schont die Umwelt, verursacht weniger Treibhausgasemissionen und verbraucht weniger Ressourcen. Besonders aber reduziert sie das Leid nichtmenschlicher Tiere in Tierfabriken. Daher setzen wir uns für eine politische Förderung der pflanzlichen Ernährung ein, ohne auf Zwangsmaßnahmen zurückzugreifen«, heißt es im Antragstext.

Für ein erfolgreiches Begehren müssten drei Prozent aller Wahlberechtigten im Bezirk den Antrag unterschreiben, damit sich die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg mit der Initiative beschäftigen muss. Stellt sich die BVV quer, käme es automatisch zu einem Bürgerentscheid. Bei diesem müssten wiederum zehn Prozent der wahlberechtigten Bezirksbewohner überzeugt werden.

Dabei soll das Bürgerbegehren lediglich Modellcharakter haben: Im Erfolgsfall sollen ähnliche Initiativen auch in anderen Bezirken auf den Weg gebracht werden.

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