Werbung

Bachelor, Master, Burn-Out

Studenten sind einer Studie zufolge gestresster als Arbeitnehmer / Baden-Württemberg plant hohe Gebühren für ausländische Studierende

  • Von Josephine Schulz
  • Lesedauer: 3 Min.

Student müsste man sein. Fünf Monate Ferien im Jahr, spätes Aufstehen und viel Zeit für Hobbys und Partys. Dieser Mythos des entspannten Unialltags hält sich hartnäckig. Allerdings hat sich Sachen Hochschulpolitik in den letzten 20 Jahren einiges getan, viele Veränderungen gingen zu Lasten der Studierenden. Allem voran die Bologna-Reform, darauf angelegt, möglichst viele Studenten in möglichst kurzer Zeit durch den Hochschulbetrieb zu schleusen.

Laut einer am Dienstag vorgestellten Studie des AOK-Bundesverbandes leiden heute 53 Prozent der Studierenden unter einem hohen Stresslevel. In einer vergleichbaren Studie in der Arbeitswelt lag der Anteil bei 50 Prozent, wie Studienleiterin Uta Herbst von der Universität Potsdam erklärte. Als Hauptgrund für das hohe Belastungsgefühl werden in der Untersuchung die gestiegenen Anforderungen genannt. Darunter fallen Prüfungsvorbereitungen, Abschlussarbeiten und der Stoffumfang in den Kursen. Als wenig belastend empfinden die Studenten dagegen die Pflege sozialer Kontakte oder die ständige Erreichbarkeit durch digitale Medien.

Die Umfrage der AOK ergab zudem, dass Studentinnen öfter unter Stress leiden als ihre männlichen Kommilitonen. Und Studenten im Bachelor fühlen eine stärkere Belastung als in Master- oder Diplomstudiengängen. Die Fächer mit einem überdurchschnittlichen Stresspegel sind laut Studie Veterinärmedizin, Agrar- und Ernährungswissenschaften.

Jenseits unterschiedlicher Leistungsanforderungen teilen viele Studenten die finanzielle Belastung. Die Studie brachte in dieser Hinsicht allerdings ein recht kurioses Ergebnis zu Tage. Demnach sind Studenten mit Nebenjob nicht mehr oder teilweise sogar weniger gestresst als Studenten, die sich ausschließlich aufs Lernen konzentrieren. Die Einschätzung des Deutschen Studentenwerks geht eher in die andere Richtung: Schwer hätten es demnach vor allem die Studenten, bei denen neben hohen Anforderungen in der Uni noch eine angespannte finanzielle Lage hinzukommt. Denn Fakt ist: Die Frage nach dem Lebensunterhalt sorgt vielfach für zusätzlichen Zeitdruck im Studium. BAföG wird nur in der Regelstudienzeit gezahlt, also sechs Semester im Bachelor und vier Semester im Master. Und gerade in Großstädten mit rasant steigenden Mieten reicht das staatliche Darlehen oft nicht, um alle Kosten zu decken. So sind viele BAföG-Empfänger zusätzlich auf einen Nebenjob angewiesen. Aber auch sogenannte »Normalstudenten« werden oft nicht im vorgesehen Umfang von den Familien unterstützt und verdienen ihren Lebensunterhalt zu großen Teilen in Eigenregie.

In Baden-Württemberg sollen zukünftig ausländische Studenten auch wieder für das Studium selbst bezahlen - und nicht zu knapp. Etwa 1500 Euro könnte ein Semester nach Plänen der grünen Wissenschaftsministerin Theresia Bauer für alle kosten, die nicht aus der EU, Island, Liechtenstein und Norwegen kommen oder in Deutschland Abitur gemacht haben. Da die grün-schwarze Koalition für 2017 Einsparungen im großen Stil geplant hat, muss auch das Wissenschaftsministerium mit rund 48 Millionen Euro weniger auskommen. Um nicht bei Lehre und Forschung zu kürzen, sollen nach Wunsch der Ministerin die Einnahmen erhöht werden. Nach Schätzungen des Ministeriums beträfen die Gebühren etwa 7000 Studenten. Dass dies junge Menschen aus dem Ausland abschrecken könnte, glaubt Bauer nicht. »Wir wollen, dass die Leute zu uns kommen, weil hier Qualität geboten wird und gute Atmosphäre und nicht, weil es hier billig ist«, erklärte sie im Deutschlandfunk. Über die Pläne der Ministerin wird bald in der Haushaltskommission und in den Regierungsfraktionen diskutiert. Aus der Grünen Jugend und der SPD-Opposition wurde bereits Kritik laut. Gegenwind von der CDU ist dagegen nicht zu erwarten. Die hatte 2007 mit der FDP Studiengebühren für alle eingeführt, die dann unter Grün-Rot wieder gekippt wurden. Mit Agenturen

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung