Der Sieg muss schmerzen

Bob Dylan erhält den diesjährigen Nobelpreis für Literatur

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Bob Dylan wurde am Donnerstag als Träger des Nobelpreises für Literatur verkündet. Diese erstmalige Preisvergabe an einen Songwriter hat die Stockholmer Jury in ein Standesamt verwandelt. Denn was da geschah, ist die offizielle Trauung eines seit jeher wilden, weitherzigen, wollüstigen Paares: Komposition und Dichtung. Schon vor genau zwanzig Jahren begründete US-Literaturprofessor Gordon Ball eine Nominierung Dylans für den Nobelpreis: «Seit den frühen sechziger Jahren hat Mr. Dylan aus Worten und Musik ein nahezu unendliches künstlerisches Universum geschaffen, das den gesamten Globus durchdrungen hat.»

Bereits der junge Sänger in Baumwollhemd, Huckleberry-Finn-Mütze und der vollen Liederlich-Wollfrisur blickte mit der Scheu des Menschen, der eines genau wusste: Mein Alter kommt erst noch, es ist dem Testamentarischen nahe, jenen Stunden, da die Herztöne ausklingen. Mitunter wirkte er wie ein Narziss – der aber nicht an seinem S...

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