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Der rockpolitische Sprecher Jan Korte

Sieben Tage, sieben Nächte: Was uns Bob Dylan über die Zukunft der LINKEN verrät

  • Von Gabriele Oertel
  • Lesedauer: 2 Min.

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Haben Sie eigentlich eine Vorstellung davon, wie viel dröges und ödes Politikerkauderwelsch jeden Tag in einer Redaktion aufläuft? Wüssten Sie das, dann würden Sie vermutlich sofort verstehen, warum wir heute einfach nicht umhin kommen, als Pressemitteilung der Woche jene von Jan Korte zu würdigen, mit der er Bob Dylan zur Verleihung des Literaturnobelpreises gratulierte.

Der linke Bundestagsabgeordnete hat offenbar mitnichten eine der üblichen Pflichtübungen absolviert, sondern seine Begeisterung für den Ausgezeichneten als »Leitstern aller, deren Träume und Wünsche über das hier und heute hinausgehen«, mit zahlreichen Beweisen seiner absoluten Textsicherheit der Dylan-Songs angereichert. Ach, würden doch auch andere seiner Kollegen mit derlei Originalität, Kenntnisreichtum wie Emotionalität für eine Sache streiten.

Allerdings lassen Kortes Zeilen auch in ganz anderer Hinsicht aufhorchen. Der Mann hat sich nämlich kurzerhand zum »rockpolitischen Sprecher« seiner Fraktion erklärt. Ja, hat er denn etwa vergessen, dass Sigmar Gabriel von der sozialdemokratischen Konkurrenz dereinst seine Bundeskarriere als »Pop-Beauftragter« begonnen hat? Heute rockt der nicht nur die ganze SPD, einschließlich des Berliner Willy-Brandt-Hauses, sowie das Wirtschaftsministerium und darf einmal im Jahr in der Urlaubszeit Angela Merkel vertreten. Demnächst könnte er sich womöglich auf jeder Bühne dieses Landes als Frontmann empfehlen, der das Kanzleramt stürmen will.

Aber das ist bei Weitem noch nicht ausgemacht. Nicht nur wegen der seit Jahren anhaltend schwächelnden SPD, sondern auch, weil Gabriel sich offenbar selbst seiner Sache gar nicht sicher ist. Doch in diesen wenig melodischen Vorwahlzeiten zögert ja nicht nur er, sich dem Publikum zu stellen. Selbst die Kanzlerin, deren Neigung zum Musischen durch den alljährlichen Hügel-Besuch zu ahnen ist, lässt ihre Fans über Gebühr auf das Ja zu einer dritten Zugabe warten. Und ein Liebhaber oder eine Liebhaberin von Hymnen und Tschingderassabumm vorm Berliner Schloss Bellevue will sich auch nicht finden. Wo eigentlich ist sie geblieben, die Zeit, da das Drängeln um einen Solo-Einsatz zum politischen Profil gehörte? Irgendwie scheint das ganze Land in einer handfesten und nicht nur künstlerischen Krise zu sein.

Während bei den Grünen zumindest das Format für den künftigen Contest feststeht, ist in Kortes Partei die Entscheidung noch offen, ob sie demnächst ein Quartett oder ein Duo auftreten lässt. Bis die Linken gar wieder irgendeinem eine Solokarriere gönnen, dürften noch sehr viele Proben ins Land gehen. Auch aus diesem Grund muss sich ihr »rockpolitischer Sprecher« nicht fürchten, etwa den Weg von Sigmar Gabriel zu gehen.

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